Taifun Nr. 9

10. August 2009

Eigentlich wollte ich heute Abend Wäsche waschen und über Nachtauf dem Dach hängen lassen. Doch angesichts der aktuellen Meldung, dass ein Taifun um Anmarsch ist und morgen früh um ungefähr 9 Uhr an Tokyo vorbeiziehen soll, werde ich meine Wäsche wohl doch um einen Tag verschieben.

Während sich Taifun Nr. 8 mit dem Namen „Morakot“ derzeit langsam über China abschwächt, nachdem er vorher über Taiwan gezogen ist, hat sich Taifun Nr. 9, auch „Etau“ genannt, für das Land der aufgehenden Sonne entschieden. Während sich die Ausläufer heute schon vor allem im Westen Japans, aber auch in Tokyo durch starke Regenfälle bemerkbar gemacht haben, wird der eigentliche Taifun erst für morgen früh in der japanischen Hauptstadt erwartet. Allerdings wird er wohl nicht direkt auf Tokyo treffen, sondern auf dem Meer Richtung Osten vorbeiziehen.

Aktuelle Position und voraussichtlicher Verlauf von Taifun Nr. 9

Aktuelle Position und voraussichtlicher Verlauf von Taifun Nr. 9

Auf dem Bild oben sieht man den Verlauf des Taifuns: Die blaue Linie ist die Strecke, die er bisher zurückgelegt hat, das Kreuz ist die aktuelle Position und die weißen Kreise zeigen den geschätzten zukünftigen Weg des Taifuns. Auf der Seite der „Japan Meteorological Agency“ findet man immer die aktuellsten Informationen dazu.

Wie man übrigens an der Nummer sehen kann, gibt es nicht nur einen Taifun im Jahr, sondern gleich mehrere mit unterschiedlichen Verläufen und Stärken. Die Taifun-Saison beginnt meist im August und dauert bis Oktober, es dürfte also nicht bei „Etau“ bleiben.

Ich habe durch mein Austauschjahr in Japan ja schon ein bißchen Erfahrung mit Taifunen und ich muss sagen – falls ihr euch jetzt schon Sorgen um meine Sicherheit gemacht habt – dass es in der Regel ziemlich ungefährlich abläuft. Meistens stoppen die Züge vorsichtshalber für eine Weile  und man findet am nächsten Tag jede Menge zerstörte Regenschirme auf den Straßen. Wenn es morgen früh also zu heftig regnet und stürmt, werde ich wohl erst später zur Uni gehen.

Der Vorteil an Taifunen ist übrigens, dass es danach meist schönes Wetter gibt, da einfach alle Wolken weggefegt werden. Zumindest könnte ich dann endlich meine Wäsche waschen…

Nachtrag: Der Taifun ist weiter entfernt von Tokyo verlaufen als vorher angenommen, so dass es hier in Saitama nicht mal geregnet hat. In Tokyo und Yokohama gab es zwar recht starken Regen, aber scheinbar ohne taifun-typische Auswirkungen.

Werbeanzeigen

Sommer in Japan – ein Simulationsversuch

4. Juli 2008

Es wird so langsam Sommer in Japan. Die Regenzeit scheint vorüber zu sein (auch wenn ich noch keine offizielle Bestätigung gehört habe) und die Sonne kommt wieder regelmäßiger hervor. Wie sich ein Sommer in Japan anfühlt, kann man sich allerdings nicht wirklich vorstellen, wenn man nur das Wetter im Internet nachschaut. 30° Celcius und Sonnenschein hört sich eigentlich sehr angenehm an. Daher möchte in an dieser Stelle alle Leser dazu einladen, an einem Simulationsversuch des Wetters in Japan teilzunehmen. Wenn ihr die folgende Anleitung genau befolgt, solltet ihr ein ungefähres Gefühl dafür bekommen, wie es sich hier in den nächsten zwei bis drei Monaten anfühlen wird.

Klimasimulationsanleitung:

  1. Zuerst geht man ins Bad und dreht die Heizung auf volle Stärke. Zusätzlich stellt man auch die Dusche auf volle Hitze und lässt sie laufen (ich empfehle an dieser Stelle sich nicht mehr unter die Dusche zu stellen!). Anschließend das Bad verlassen und die Türe geschlossen halten.
  2. Nun eine halbe Stunde warten. Während dieser Zeit kann man schonmal den Kühlschrank direkt neben dem Bad positionieren und leerräumen.
  3. Nach den dreißig Minuten geht man ins Bad (Türe wieder schließen nicht vergessen!) und bleibt hier, bis es unangenehm wird; nur noch fünf Minuten länger. Anschließend verlässt man das Bad und setzt sich sofort in den Kühlschrank (Türe schließen! Bei der Gelegenheit kann man auch gleich überprüfen, ob das Kühlschranklicht wirklich ausgeht). Sobald die Körpertemeratur auf 35° Grad gesunken ist, begibt man sich ohne Umwege wieder ins Bad (Gehe nicht über Los, ziehe nicht 4000 Yen ein…). Das Ganze wiederholt man nun bis der Sommer vorbei ist (sehr gut an der Rotfärbung der Blätter zu erkennen).

Erklärung:

Das Bad stellt in diesem Fall einfach den normalen Zustand da. Zum Beispiel wenn man sich im Freien aufhält oder die Klimaanlage gerade gewartet wird. Der Kühlschrank simuliert Restaurants, Geschäfte und vor allem die Züge. Begibt man sich zwischen klimatisierten Objekten hin und her, muss man (meistens) zwangsweise durch das Freie laufen (Bad->Kühlschrank->Bad->Kühlschrank). Besonders lustig ist es nebenbei bemerkt im Zug, wenn man an einer Tür steht, und sich einem beim Öffnen eine warme feuchte Wand von draußen entgegendrückt.

Expertenmodus:

Für alle Spezialisten, welche die obige Simulation ohne Probleme meistern konnten, gibt es noch ein paar Variationen:

  • Regenzeit-Modus: Bevor man die Dusche auf volle Hitze aufdreht, stellt man sie auf lauwarm bis kalt und begibt sich für die nächsten drei Wochen unter die selbige.
  • Rush Hour-Modus: Man sucht sich noch drei weitere Freunde und quetscht sich mit ihnen zusammen in den Kühlschrank
  • Business Man-Modus: Vor Simulationsbeginn zieht man sich einen schicken Anzug an. Natürlich mit Krawatte.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir letzten September die Schokolade in meinem Zimmer bei normalen Sommertemperaturen und ohne direkte Sonneneinstrahlung einfach nur durch die Luftfeuchtigkeit geschmolzen, oder das Brot vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums (meistens eh nur drei Tage) geschimmelt ist (ok, das ist in Deutschland ja normal 😉 ). Seitdem befindet sich bei mir alles Wichtige im Kühlschrank.

Disclaimer: Die oben genannte Anleitung sollte natürlich nur von erfahrenen Stuntmännern durchgeführt werden. Nicht, dass mich jemand auf Schmerzensgeld verklagt, weil er sich eine Erkältung eingefangen hat…