Sommer in Japan – ein Simulationsversuch

4. Juli 2008

Es wird so langsam Sommer in Japan. Die Regenzeit scheint vorüber zu sein (auch wenn ich noch keine offizielle Bestätigung gehört habe) und die Sonne kommt wieder regelmäßiger hervor. Wie sich ein Sommer in Japan anfühlt, kann man sich allerdings nicht wirklich vorstellen, wenn man nur das Wetter im Internet nachschaut. 30° Celcius und Sonnenschein hört sich eigentlich sehr angenehm an. Daher möchte in an dieser Stelle alle Leser dazu einladen, an einem Simulationsversuch des Wetters in Japan teilzunehmen. Wenn ihr die folgende Anleitung genau befolgt, solltet ihr ein ungefähres Gefühl dafür bekommen, wie es sich hier in den nächsten zwei bis drei Monaten anfühlen wird.

Klimasimulationsanleitung:

  1. Zuerst geht man ins Bad und dreht die Heizung auf volle Stärke. Zusätzlich stellt man auch die Dusche auf volle Hitze und lässt sie laufen (ich empfehle an dieser Stelle sich nicht mehr unter die Dusche zu stellen!). Anschließend das Bad verlassen und die Türe geschlossen halten.
  2. Nun eine halbe Stunde warten. Während dieser Zeit kann man schonmal den Kühlschrank direkt neben dem Bad positionieren und leerräumen.
  3. Nach den dreißig Minuten geht man ins Bad (Türe wieder schließen nicht vergessen!) und bleibt hier, bis es unangenehm wird; nur noch fünf Minuten länger. Anschließend verlässt man das Bad und setzt sich sofort in den Kühlschrank (Türe schließen! Bei der Gelegenheit kann man auch gleich überprüfen, ob das Kühlschranklicht wirklich ausgeht). Sobald die Körpertemeratur auf 35° Grad gesunken ist, begibt man sich ohne Umwege wieder ins Bad (Gehe nicht über Los, ziehe nicht 4000 Yen ein…). Das Ganze wiederholt man nun bis der Sommer vorbei ist (sehr gut an der Rotfärbung der Blätter zu erkennen).

Erklärung:

Das Bad stellt in diesem Fall einfach den normalen Zustand da. Zum Beispiel wenn man sich im Freien aufhält oder die Klimaanlage gerade gewartet wird. Der Kühlschrank simuliert Restaurants, Geschäfte und vor allem die Züge. Begibt man sich zwischen klimatisierten Objekten hin und her, muss man (meistens) zwangsweise durch das Freie laufen (Bad->Kühlschrank->Bad->Kühlschrank). Besonders lustig ist es nebenbei bemerkt im Zug, wenn man an einer Tür steht, und sich einem beim Öffnen eine warme feuchte Wand von draußen entgegendrückt.

Expertenmodus:

Für alle Spezialisten, welche die obige Simulation ohne Probleme meistern konnten, gibt es noch ein paar Variationen:

  • Regenzeit-Modus: Bevor man die Dusche auf volle Hitze aufdreht, stellt man sie auf lauwarm bis kalt und begibt sich für die nächsten drei Wochen unter die selbige.
  • Rush Hour-Modus: Man sucht sich noch drei weitere Freunde und quetscht sich mit ihnen zusammen in den Kühlschrank
  • Business Man-Modus: Vor Simulationsbeginn zieht man sich einen schicken Anzug an. Natürlich mit Krawatte.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir letzten September die Schokolade in meinem Zimmer bei normalen Sommertemperaturen und ohne direkte Sonneneinstrahlung einfach nur durch die Luftfeuchtigkeit geschmolzen, oder das Brot vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums (meistens eh nur drei Tage) geschimmelt ist (ok, das ist in Deutschland ja normal 😉 ). Seitdem befindet sich bei mir alles Wichtige im Kühlschrank.

Disclaimer: Die oben genannte Anleitung sollte natürlich nur von erfahrenen Stuntmännern durchgeführt werden. Nicht, dass mich jemand auf Schmerzensgeld verklagt, weil er sich eine Erkältung eingefangen hat…

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