Kyu-shiba-rikyu Gardens

29. Juni 2009

Kyu-shiba-rikyu gardens

Eigentlich dachte ich bisher, dass ich in meinem Jahr in Tokyo schon alle schönen Gärten und Parks hier gesehen hätte. Heute wurde ich aber eines besseren belehrt, als ich den Kyu-Shiba-rikyu Park besuchte (bzw. gerade besuche, da ich gerade mit meinem Laptop auf einer Bank sitze und den Blogeintrag schreibe – nur abschicken muss ich ihn später).

Bevor ich den Garten nun hier großartig beschreibe, schaut ihr euch am besten die Bilder an. Wie man darauf auch teilweise erkennen kann, ist der Park umgeben von einigen Hochhäusern, was schon einen seltsamen Eindruck hinterlässt. Der obere Teil des Tokyo Towers ist auch sichtbar, ebenso wie hier ab und zu mal ein Shinkansen (japanischer Hochgeschwindigkeitszug) vorbeifährt. Dafür ist der Park aber ziemlich groß und nicht überfüllt; perfekt für einen gemütlichen Spaziergang im Sommer. Trotz der Hochhäuser, Züge, Straßen und der dazugehörigen Geräuschkulisse vergisst man doch recht schnell, dass man sich hier mitten in Tokyo, einer der größten Städte der Welt, befindet.

In der Nähe des Eingangs befindet sich seit vorgestern auch eine Blumenausstellung, wenn ich daran denke werde ich beim Herausgehen mir versuchen zu merken, um welche Blumen es sich handelt (Nachtrag: Es waren Satsuki Azaleen). Den „wasserlosen Wasserfall“ habe ich auch fotografiert, ihr könnt ja mal schauen ob ihr ihn findet. Meiner Meinung nach hatten sie am Ende einfach ein paar Steine zu viel übrig.

Die Bilder findet ihr bereits in Webalbum!

P.S.: Diesen Eintrag habe ich bereits vor vier Wochen verfasst, aber erst jetzt veröffentlicht.


Der Juni ist grün

25. Juni 2009

Die Überschrift bezieht sich nicht auf die Natur hier in Tokyo, wobei das sicherlich auch zutreffend wäre. Aber in diesem Beitrag möchte ich mich den beiden Getränken widmen, die ich bereits vorher in meinem Blog beschrieben und zu testen angekündigt habe: Coca Cola Green Tea und Pepsi Shiso.

Fange ich mal mit Coca Cola Green Tea an, das ich bereits vor knapp drei Wochen testen konnte:

Coca Cola plus Green Tea

Coca Cola plus Green Tea

Von der Farbe her sieht es aus wie ganze normale Cola – leider ist es beim Geschmack nicht viel anders. Ich sollte hier erwähnen, dass ich nicht so oft Cola light trinke, aber meiner Meinung nach hat es nur einen ganz ganz leichten Beigeschmack, den man nicht mal unbedingt als grünen Tee identifizieren muss. Es könnte aber auch nur Einbildung sein (ala: wenn man nur fest genug daran glaubt, kann man es herausschmecken). Nunja, es ist bei der einen Flasche geblieben und ich werde wohl bei purem grünen Tee bleiben (was eigentlich auch mal einen eigenen Blogeintrag wert wäre…)

Schließlich hatte ich heute noch die Chance, ein schon eher außergewöhnliches Getränk zu probieren, nämlich Pepsi Shiso.

Pepsi Shiso

Pepsi Shiso

Was Shiso (Perilla) ist, hatte ich ja schon im ersten Eintrag über das Getränk kurz erklärt. Was es genau ist, wusste ich damals allerdings selbst nicht. Nun habe ich es heute zum ersten Mal gekauft, die Flasche geöffnet, und mir kam gleich ein etwas unangenehmer, bekannter Geruch in die Nase. Ich habe mal eine japanische Süßigkeit gegessen, welche in ein ganzes Shiso-Blatt eingewickelt war. Bei dem zweiten Stück dieser Süßigkeit habe ich dann bevorzugt, das Shiso-Blatt vor dem Essen zu entfernen. Und die Pepsi schmeckt dem Original sehr ähnlich. Beschreiben lässt sich der Geschmeck recht schwer, vielleicht ein bißchen Lakritz und ein bißchen Minze. Aber so wirklich passt diese Beschreibung nicht. Wer die Chance hat, sollte sich auf jeden Fall mal ein Shiso/Perilla-Blatt kaufen. 🙂


Tsuyu

11. Juni 2009

Tsuyu ist heute gekommen und bleibt für ca. sechs Wochen hier. Eigentlich mag sie keiner, aber trotzdem kommt sie jedes Jahr wieder. Einfach so, ohne zu fragen. Man weiß auch nie, wann sie genau kommt. Wenn sie dann da ist, gibt es Zeiten an denen man gar nicht vor die Tür gehen möchte aus Angst ihr zu begegnen. Und wenn sie schließlich wieder weg ist, kann man auch nicht ganz froh sein, denn man schwitzt schon im Angesicht des nächsten Gastes, der sich mit Tsuyu die Klinke in die Hand gibt.

Ach, ihr kennt Tsuyu gar nicht? Das kann gut sein, sie kommt nämlich nicht nach Europa. Denn Tsuyu ist japanisch und bedeutet Regenzeit. Sie beginnt hier in Tokyo normalerweise Anfang Juni und geht dann ca. sechs Wochen lang bis Mitte Juli. Heute hat sie halbwegs offiziell hier angefangen. Den ganzen Hype um die Regenzeit kann ich allerdings nicht so ganz nachvollziehen; heute war das erste Mal seit ein paar Tagen, dass die Sonne wieder hinter den Wolken hervorkam (nachdem es heute morgen zugegebenermaßen doch recht ordentlich geregnet hat). Ganz generell gesehen gibt es im Juni schon mehr Niederschlag (+30-40 mm) und weniger Sonnenstunden (5 statt 6) als im Mai und Juli, aber so schlimm wie man es von einer „Regenzeit“ erwartet fand ich es letztes Jahr dann doch nicht (und ich bezweifle, dass es dieses Jahr viel anders wird).

Sollte die Regenzeit schließlich vorbei sein, setzt der für Japan charakteristische heiße und schwüle Sommer ein. Denn obwohl es im Vergleich zu Deutschland zwar jetzt schon recht warm und luftfeucht hier ist, vergrößert sich dieser Unterschied ab Juli deutlich. Sommer bedeutet in Japan nämlich, dass man selbst nachts nach wenigen Minuten normalen Gehens zu schwitzen beginnt. Und das im Prinzip jeden Tag, denn Abkühlung findet außerhalb von klimagekühlten Gebäuden und Transportmitteln bis Ende des Sommers so gut wie nicht statt.
Mindestens einen Vorteil hat der Sommer dann aber doch: Das Matcha-Eis schmeckt doppelt so gut. 🙂

Zu dem Thema siehe auch einen Eintrag von letztem Jahr (verfasst am Ende der Regenzeit): „Sommer in Japan – ein Simulationsversuch„.

Tokyo Tower - RegenzeitTokyo Tower, Tsuyu im Juni 2008


Fujisan Nachtrag (Video)

10. September 2008

Ich habe mittlerweile meine Videoaufnahmen von der Besteigung des Fuji geschnitten und bearbeitet.
Da es meiner Meinung nach noch aussagekräftiger ist als die Bilder, möchte ich euch das Ergebnis natürlich nicht vorenthalten:


Fujisan

24. Juli 2008

3776 Meter. Ein Vulkan. Ein Mann.
Ok, ganz alleine war ich nicht. Aber mal ganz von vorne:

Die Vorbereitung

Ich habe schon längere Zeit vorgehabt, auf den höchsten Berg Japans, den Fuji, zu steigen. Da die Hauptsaison zum Besteigen aufgrund von Schneefreiheit und akzeptablen Temperaturen im Juli und August ist, stand dem Vorhaben also nichts mehr im Wege. Nachdem ich etwas recherchiert hatte, wurde mir recht schnell klar, dass ich den aktiven Vulkan (allerdings mit sehr geringer Ausbruchswahrscheinlichkeit, zum Glück) nachts besteigen möchte, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang oben zu sein. Zudem sollte es an einem Wochentag stattfinden, da es am Wochenende sehr voll werden kann. Denn pro Jahr besteigen ca. 200.000 Menschen den Fuji, und die meisten davon im Juli und August.

So schloss ich mich also mit ein paar Freunden zusammen, die auch den Fuji besteigen wollten. Wir waren eine internationale Truppe bestehend aus einem Amerikaner, einer Französin, einem Schweden, einer Japanerin und zwei Deutschen. Wir entschieden uns schließlich für Montag, den 21. Juli 2008 als den Tag der Wahrheit. Ein paar Tage vorher wurde für 2600 Yen (ca. 15 Euro, einfache Fahrt) der Bus zum Fuji gebucht und ich habe einige notwendige Besorgungen gemacht, wie zum Beispiel Handschuhe und eine Mütze.

Da der Bus erst Montags abends fuhr, blieb mir am selbigen Tag noch genug Zeit, um Nahrungsmittel einzukaufen und den Rucksack zu packen. Ich habe vorher einige Erfahrungsberichte gelesen und dementsprechend bestand der Inhalt meines Rucksacks aus Folgendem:

  • 4 Liter Wasser (viel trinken hilft gegen die Höhenkrankheit)
  • 5 Onigiri (gut sättigende Reisbällchen) und Süßigkeiten
  • Turnschuhe zum Besteigen (habe leider keine Wanderschuhe)
  • Mütze und Handschuhe (auf dem Gipfel sind es zwischen 0 und 5 Grad im Sommer)
  • Digitalkamera und Camcorder
  • Pulli und Ersatz-T-Shirt für die Heimfahrt
  • Taschenlampe und Ersatzbatterien

Er war ordentlich schwer! Aber ich wusste ja, da ich während des Aufstiegs trinken und essen, und somit natürlich das Gewicht reduzieren würde. Daher war es schon ok.

Abfahrt

Ich verließ also um 16:00 Uhr meine Wohnung, um mich um 17:10 Uhr in Tokyo mit den anderen zu treffen. Zum Glück hatten wir 17:10 Uhr festgelegt, so dass die Letzten um 17:25 Uhr ankamen und wir ohne Probleme den Bus erreichen konnten, der uns ab 17:50 Uhr zum Fuji bringen sollte. Nach etwa zwei Stunden und zwanzig Minuten kamen wir um 21:10 Uhr an der 5. Station von Kawaguchiko auf 2305 Metern Höhe an. Von Kawaguchiko aus beginnt die populärste von vier möglichen Routen für eine Besteigung des Fuji. Wir gingen schließlich nochmal in das einzige Souvenirgeschäft, welches noch geöffnet war, um ein paar Sachen in ein Schließfach einzuschließen (unter anderem meine Schuhe für die Busfahrt) und uns wärmer anzuziehen. Fatalerweise hielt ich es nicht für nötig eine Jacke mitzubringen, musste allerdings schon auf der 5. Station den Pulli über mein Hemd ziehen. So nahm ich dann doch das T-Shirt, welches ich eigentlich für die Heimfahrt eingeplant hatte, sicherheitshalber mit auf den Weg zur Spitze.

Aufstieg

So machen wir uns also gegen 21:30 Uhr auf zum Gipfel des Fuji. Der Weg gliedert sich in neun Stationen (die 9. Station ist die Spitze), an denen sich jedesmal sowohl Hütten zum Einkaufen und Rasten wie auch Toiletten befinden. Da der Weg zwischen den Stationen teilweise sehr lang ist, befinden sich auch dazwischen noch kleinere Hütten.

Von der 5. bis zur 6. Station war es recht leicht. Es ging nicht sehr steil bergauf – anfangs sogar bergab – und wir erreichten die 6. Station nach schätzungsweise 45 Minuten. Ich wusste glücklicherweise durch die Erfahrungsberichte, dass der erste Teil der Besteigung leicht werden würde. Die Anderen scheinbar nicht, denn sie freuten sich schon auf eine einfache Besteigung. Ich habe ihnen nichts verraten 😉 . Man konnte übrigens sehr schön die Sterne sehen (von Tokyo aus nicht wirklich möglich…) und trotz der Dunkelheit sogar die Wolkendecke, die sich schon unter uns befand. Bereits jetzt freute ich mich auf die Aussicht bei Tag und ich sollte nicht enttäuscht werden.

An der 6. Station wurden Zettel mit dem weiteren Verlauf der Besteigung ausgeteilt und ab hier musste wir auch erstmals auf Lavagestein klettern. Es war zwar nicht gefährlich, aber man musste durchaus schonmal die Hände benutzen um sich abzustützen und weiter nach oben zu kommen. Hier verabschiedeten sich dann auch der Amerikaner und der Schwede von uns restlichen Vieren, da sie ein höheres Tempo bevorzugten. Diese Entscheidung sollten sie noch bereuen, aber dazu später mehr. Auf dem weiteren Weg hörte irgendwann das Lavagestein auf und wurde von rutschigem Sandboden abgelöst, wodurch es etwas anstrengender wurde. An unserem Willen den Gipfel zu erreichen hat das natürlich nichts geändert.

Die 7. Station auf 2700 Metern Höhe dürften wir ca. 80 Minuten nach Verlassen der vorherigen Station erreicht haben. Hier haben Chris (der andere Deutsche) und ich uns erstmal eine Instant-Nudelsuppe (Cup-Ramen) an der Hütte für erschwingliche 600 Yen (ca. 3,50 Euro) gekauft um uns aufzuwärmen und zu sättigen. Während es zwischen der fünften und der sechsten Station sehr dunkel war und es keine Hütten gab, konnte man schon von Beginn der siebten Station aus sehen, dass hier eine ganze Reihe an Hütten in absehbarer Entfernung stehen. So machten wir uns also auf den Weg und erreichten um 23:32 Uhr (Anmerkung: Fotos eigenen sich sehr gut zum zeitlichen dokumentieren – sofern man die Uhrzeit auf seiner Digitalkamera eingestellt hat) die dritte von insgesamt sieben Hütten bis zur 8. Station.

Um 0:44 Uhr kamen wir schließlich bei der 8. Station auf 3100 Metern Höhe an und merkten so langsam, dass wir zum einen durch den Aufstieg und zum anderen durch die voranschreitende Zeit langsam müder wurden. Zum Glück habe ich damals nicht nachgerechnet, denn hätte ich herausgefunden, dass wir gerade erstmal die Hälfte der Höhenmeter hinter uns gelassen haben, wäre mir der weitere Aufstieg sicherlich schwerer gefallen. Um 2:07 Uhr waren wir drei Hütten weiter und nur 150 Meter höher. Das lag wohl auch daran, dass wir nun viele Pausen machen mussten, nicht zuletzt wegen unserer zwei Begleiterinnen. Was aber kein Problem war, da wir von vorneherein damit rechneten und Chris und ich somit auch öfters Mal verschaufen konnten 🙂 . Irgendwo hier habe ich mir dann auch mein Ersatz-T-Shirt über meinen Pulli und mein Hemd gezogen, da es doch schon recht kalt war. Es sah zwar bescheuert aus, aber besser bescheuert aussehen als erfrieren 😉 . (Das dachte ich jedenfalls. Bis ich die Bilder von mir gesehen habe.)
Vielleicht ist es gut an dieser Stelle zu erwähnen, dass wir mit dem Sonnenaufgang zwischen 4:30 und 5:00 Uhr rechneten. Das Schild auf der aktuellen Station gab eine Dauer bis zur Spitze von 1:50 Stunden an. Es hat sich also durchaus machbar angehört, auch wenn wir die vorherigen Zeitangaben öfters überschritten hatten.

Die nächste Station, ich weiß leider nicht wann wir sie erreicht haben, war dann die „Original 8. Station“, was auch immer das bedeuten mag. Bei 3360 Metern Höhe befand sich dort auch das Fujisan Hotel, bei dem man wohl für ein paar Stunden übernachten kann, sofern man früher aufgebrochen ist. Diese Bergbesteigung-Light kam für uns natürlich nicht in Frage. Man ist schließlich nur einmal jung. Was uns allerdings etwas sorgen machte, war, dass man von hier aus eine riesige Schlange an Taschenlampenlichtern sehen konnte, welche sich im Zickzack den Berg hinauf schlängelte. Doch noch war ich guter Hoffnung, dass wir es rechtzeitig zur Spitze schaffen würden.
Bis es hinter mir langsam hell wurde. Und wir in der Schlange nur im Stop-and-Go Verfahren vorwärts kamen. Hier hatte ich die Hoffnung schon so gut wie aufgegeben und versucht mich damit abzufinden, den Sonnenaufgang nicht von der Spitze sehen zu können. Nächste Woche nochmal zu kommen, um es zu schaffen. Ich versuchte mir einzureden, dass man nicht unbedingt auf der Spitze sein muss. Geglaubt habe ich mir das selbst natürlich nicht. Verdammt, ich bin seit sieben Stunden geklettert, und am Ende schaffe ich es nicht, weil ich in einer Schlange schlimmer als im Disneyland stehe. Auf 3500 Metern Höhe um 03:30 Uhr nachts! Gefehlt hat nur noch das Schild: „Wartezeit ab hier: 90 Minuten“. Die Französin hatte mittlerweile schon aufgegeben und sich einen Platz am Wegesrand gesucht, um den Sonnenaufgang von dort aus zu sehen. Ich wollte nur noch so weit wie möglich nach oben, bevor die Sonne aufgeht. Hier mal ein paar Bilder mit Uhrzeiten, während wir nach oben kletterten (wir sind in dieser Zeit kaum vorwärts gekommen):

Minuten vor dem Sonnenaufgang

Minuten vor dem Sonnenaufgang (Klick zum Vergrößern)

Die Ankunft

Schätzungsweise 04:15 Uhr gab es auf einmal wieder Platz um an den anderen Bergsteigern vorbeizukommen. Es wurde vom Sandweg, auf dem man schlecht überholen konnte wieder zum Lavagestein. Wir witterten unsere Chance, sammelten all unsere verbliebenen Kräfte und kletterten im Eiltempo nach oben, an allen Anderen vorbei. Selbst unsere Japanerin konnte das hohe Tempo mitgehen. Es gab nun keine Pause mehr für uns, nur noch den Willen es rechtzeitig zum Sonnenaufgang zu schaffen. Es wurde immer heller und heller, ich konnte die Leute vor uns immer deutlicher erkennen. Das Ziel aber auch. Auf dem letzten Wegabschnitt (es kam wieder Sandboden) war dann ein Vater mit seinem Kind, die nicht hinter-, sondern nebeneinander laufen mussten. Und ich kam nicht vorbei. Nur der Geist des Fuji hat mich wohl ruhig bleiben lassen. Es war ein Kopf-an-Kopf Rennen im Endspurt gegen die Sonne, nur wir hatten uns kurz vor der Ziellinie nach vorne gelehnt! Denn um ca. 4:30 Uhr kamen wir noch vor Sonnenaufgang an der Spitze an, zwar völlig außer Atem, aber überglücklich es noch geschafft zu haben. Da um den Ankunftspunkt herum schon alles mit Japanern besetzt war, sind wir noch schnellen Schrittes ein paar Minuten weiter gelaufen, haben uns hingesetzt, die Kameras ausgepackt und dann war es auch schon soweit: Um 4:40 Uhr kam die Sonne hervor. Und die Strapazen haben sich gelohnt. Ich lasse hier mal ein paar Bilder sprechen, auch wenn die ganze Weite des Naturspektakels dabei gar nicht zur Geltung kommt.

40 Uhr

Sonnenaufgang um 4:40 Uhr

42 Uhr

Sonnenaufgang um 4:42 Uhr

Der Gipfel

Nachdem wir den Aufgang einige Zeit bewundert und viele Fotos geschossen hatten, sind wir weiter um den Schweden und Amerikaner zu suchen, die ja schon vor uns angekommen sein müssten. Wir sind ihnen glücklicherweise auch schnell über den Weg gelaufen und haben erfahren, dass sie sich schon seit zwei Stunden auf dem Gipfel befinden. Natürlich waren zu dieser Zeit noch keine Läden geöffnet, es war dunkel und schweinekalt. Durch den schnellen Aufstieg und zu wenig Wasser im Gepäck hatten sie natürlich auch Symptome der Höhenkrankheit, nämlich Kopfschmerzen (die auch den ganzen Abstieg über anhielten), sowie Schwindel und Atemnot beim Aufstieg. Wer nicht hören will muss eben fühlen. Glücklicherweise ist nichts schlimmeres passiert, obwohl sie die Symptome einfach ignoriert haben. Selbst ich habe trotz langsamen Aufstiegs und viel Wasserzufuhr leichte Symptome gemerkt, die jedoch schnell wieder weggingen.
Um den Krater herum (ca. eine Stunde Laufzeit) wollte dann keiner außer mir mehr gehen und alleine hatte ich auch keine große Lust dazu, zudem ein sehr kalter und unangenehmer Wind bließ. Zu guter Letzt haben wir also noch ein Foto mit dem Getränkeautomat auf dem Fuji gemacht (denn es gibt sie überall in Japan…). Die Französin muss wohl auch irgendwann später auf dem Gipfel angekommen sein, aber auch schon vor mir wieder runter. Ich habe sie jedenfalls nicht gesehen, aber der Abstieg war eh etwas chaotisch.

Der Abstieg

Der Amerikaner ist zuerst abgestiegen, da sein Flugzeug zurück in die USA noch am selben Tag ging! Der Schwede hat ihn begleitet und war schon ein ordentliches Stück unten, als ihm aufgefallen ist, dass er sein Handy auf dem Gipfel verloren hat. Er ist dann wieder den ganzen Weg zurück nach oben gelaufen und hat es zum Glück in einem Geschäft gefunden. So bin ich dann zu guter Letzt zusammen mit dem Schweden und der Japanerin wieder abgestiegen, da Chris und die Französin schon irgendwann vorher abgestiegen sind. Es ging im Zick-Zack nur noch auf Sandboden nach unten. Glücklicherweise war es ein anderer Weg als der Aufstiegspfad, denn das Lavagestein herunterzuklettern wäre wohl keiner von uns mehr in der Lage gewesen. Der Abstieg verlief weit weniger spannend als der Aufstieg, außer dass wir ordentlich sandig wurden und der Schwede einige Male ausrutschte, zum einen aufgrund des Sandbodens und zum anderen weil er durch den doppelten Aufstieg keine Kraft mehr hatte. Die Schilder mit den Distanzangaben waren nicht sehr genau, denn das 5 km und das 4,5 km Schild waren ca. 1 Stunde voneinander entfernt, wohingegen das 2,7 km Schild schon weitere 30 Minuten später folgte. Wir hatten schon Angst, es könnte Probleme geben den Bus zu erreichen, welchen wir für 11:00 Uhr fest gebucht hatten, doch nach ca. 3 1/2 Stunden Abstieg kamen wir erschöpft und glücklich um 10:00 Uhr wieder an der 5. Station an. Dort habe ich mir noch ein kleines Souvenir gekauft, meine Schuhe wieder gewechselt und mich ausgeruht. Pünktlich um 11 Uhr fuhr schließlich der Bus Richtung Tokyo ab, und ich glaube es gibt keinen aus unserer Gruppe der während der Fahrt nicht geschlafen hat 😉 .

Abstieg in die Wolken

Abstieg in die Wolken

Das war mein Bericht von der Besteigung des Fuji und ich bin sehr froh (wie jeder andere aus unserer Gruppe), dass ich es gemacht habe! Viele weitere Bilder könnt ihr euch wie üblich in meinem Webalbum ansehen.

Zum Schluss noch vielen Dank an alle, die es bis hierhin durchgehalten haben, dieser Eintrag ist etwas länger geworden. WordPress sagt mir es sind 2178 Worte. Wenn ich das nur jemals im Deutschunterricht geschafft hätte…


Bruchteile

6. Juli 2008

Der heutige Tag hat gleich doppelte Bedeutung für mich. Zum einen bin ich genau heute vor zehn Monaten in Frankfurt in ein Flugzeug gestiegen, um mich auf den Weg nach Japan zu machen. Damals wusste ich noch nicht, was mich erwartet. Ich wusste nur, dass alles anders sein wird. Und das war es auch. Von der 20.000 Einwohnerstadt ging es in die Metropolregion Tokyo mit knapp 30 Millionen Menschen. Von Brot ging es zu Reis. Von Euro zu Yen, von Auto zu (U-)Bahn, von Stille zu Action. Von Sonntags geschlossen zu 24-Stunden geöffnet. Von SMS zu E-Mail, von 7 Uhr Sonnenaufgang zu 5 Uhr Sonnenaufgang. Von Rotwein zu Reiswein, von Weißwein zu Pflaumenwein, von deutschem Bier zu japanischem Bier. Von Sitzen im Zug zu Stehen im Zug, von Verspätungen zu pünktlichen Zügen, von Rechtsverkehr zu Linksverkehr. Von BMW, Mercedes und VW zu Toyota, Nissan und Mazda. Von GSM zu UMTS, von zweistöckigen Läden zu achtstöckigen Geschäften. Von Cola zu grünem Tee, von Sprudelwasser zu stillem Wasser, von Stofftüten zu Plastiktüten. Von Solarkraft zu Atomkraft, von solider Erde zu wackligem Boden, von Festland zu Insel. Von West nach Ost. Von Deutschland nach Japan.

All das wird sich heute in einem Monat wieder umdrehen. Denn dann besteige ich das Flugzeug Richtung Deutschland. Es gibt vieles, auf das ich mich in Deutschland freue und vieles, was ich hier vermissen werde. Auf jeden Fall freue ich mich auf die Rückkehr. Noch 31 Tage. Im Vergleich zu den ungefähr 320 Tagen, die ich dann in Japan verbracht haben werde, nur ein Bruchteil. Und am Ende wird das ganze Austauschjahr nur ein Bruchteil meines Lebens gewesen sein. Aber ein Bruchteil, den ich auf keinen Fall missen möchte.


Sommer in Japan – ein Simulationsversuch

4. Juli 2008

Es wird so langsam Sommer in Japan. Die Regenzeit scheint vorüber zu sein (auch wenn ich noch keine offizielle Bestätigung gehört habe) und die Sonne kommt wieder regelmäßiger hervor. Wie sich ein Sommer in Japan anfühlt, kann man sich allerdings nicht wirklich vorstellen, wenn man nur das Wetter im Internet nachschaut. 30° Celcius und Sonnenschein hört sich eigentlich sehr angenehm an. Daher möchte in an dieser Stelle alle Leser dazu einladen, an einem Simulationsversuch des Wetters in Japan teilzunehmen. Wenn ihr die folgende Anleitung genau befolgt, solltet ihr ein ungefähres Gefühl dafür bekommen, wie es sich hier in den nächsten zwei bis drei Monaten anfühlen wird.

Klimasimulationsanleitung:

  1. Zuerst geht man ins Bad und dreht die Heizung auf volle Stärke. Zusätzlich stellt man auch die Dusche auf volle Hitze und lässt sie laufen (ich empfehle an dieser Stelle sich nicht mehr unter die Dusche zu stellen!). Anschließend das Bad verlassen und die Türe geschlossen halten.
  2. Nun eine halbe Stunde warten. Während dieser Zeit kann man schonmal den Kühlschrank direkt neben dem Bad positionieren und leerräumen.
  3. Nach den dreißig Minuten geht man ins Bad (Türe wieder schließen nicht vergessen!) und bleibt hier, bis es unangenehm wird; nur noch fünf Minuten länger. Anschließend verlässt man das Bad und setzt sich sofort in den Kühlschrank (Türe schließen! Bei der Gelegenheit kann man auch gleich überprüfen, ob das Kühlschranklicht wirklich ausgeht). Sobald die Körpertemeratur auf 35° Grad gesunken ist, begibt man sich ohne Umwege wieder ins Bad (Gehe nicht über Los, ziehe nicht 4000 Yen ein…). Das Ganze wiederholt man nun bis der Sommer vorbei ist (sehr gut an der Rotfärbung der Blätter zu erkennen).

Erklärung:

Das Bad stellt in diesem Fall einfach den normalen Zustand da. Zum Beispiel wenn man sich im Freien aufhält oder die Klimaanlage gerade gewartet wird. Der Kühlschrank simuliert Restaurants, Geschäfte und vor allem die Züge. Begibt man sich zwischen klimatisierten Objekten hin und her, muss man (meistens) zwangsweise durch das Freie laufen (Bad->Kühlschrank->Bad->Kühlschrank). Besonders lustig ist es nebenbei bemerkt im Zug, wenn man an einer Tür steht, und sich einem beim Öffnen eine warme feuchte Wand von draußen entgegendrückt.

Expertenmodus:

Für alle Spezialisten, welche die obige Simulation ohne Probleme meistern konnten, gibt es noch ein paar Variationen:

  • Regenzeit-Modus: Bevor man die Dusche auf volle Hitze aufdreht, stellt man sie auf lauwarm bis kalt und begibt sich für die nächsten drei Wochen unter die selbige.
  • Rush Hour-Modus: Man sucht sich noch drei weitere Freunde und quetscht sich mit ihnen zusammen in den Kühlschrank
  • Business Man-Modus: Vor Simulationsbeginn zieht man sich einen schicken Anzug an. Natürlich mit Krawatte.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir letzten September die Schokolade in meinem Zimmer bei normalen Sommertemperaturen und ohne direkte Sonneneinstrahlung einfach nur durch die Luftfeuchtigkeit geschmolzen, oder das Brot vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums (meistens eh nur drei Tage) geschimmelt ist (ok, das ist in Deutschland ja normal 😉 ). Seitdem befindet sich bei mir alles Wichtige im Kühlschrank.

Disclaimer: Die oben genannte Anleitung sollte natürlich nur von erfahrenen Stuntmännern durchgeführt werden. Nicht, dass mich jemand auf Schmerzensgeld verklagt, weil er sich eine Erkältung eingefangen hat…


Blaue Wässerchen in Hawaii

30. Juni 2008

Es wird mal wieder Zeit über japanische Nahrungsmittel zu reden. Ich möchte heute exemplarisch einige Getränke vorstellen:

Water

Water – oder auf deutsch: Wasser. Was ist daran so besonders, mag sich jetzt so manch einer fragen? Naja, wer mal genau hinschaut, wird feststellen, dass es nicht nur einfaches Wasser ist. Nein, es ist Wasser mit natürlichem Mineralwasser. Ich will ja gar nicht wissen was sie sonst immer noch dazu mischen.

Pepsi Blue Hawaii

Damit kommen wir zum nächsten Getränk, was nicht nur ekliger aussieht, sondern auch ekliger schmeckt. Pepsi Blue Hawaii ist eine „Sonderedition“, welche es wohl nur in diesem Sommer geben wird. Im Prinzip besteht es aus Ananas, Zitrone und blauem Farbstoff. Glücklicherweise beträgt der Fruchtgehalt 0%, ich hatte schon Angst es könnte etwas Ungesundes sein. Letztes Jahr gab es übrigens Pepsi Gurke – wer kann sich da also noch über Blue Hawaii beschweren?

Wasabi, Schokolade & Takoyaki

Im Gegensatz zu den beiden oberen Getränken handelt es sich hierbei wohl absichtlich um „Fun“-Getränke. Das Wasabi (japanischer Meerrettich) konnte man sogar trinken; vor allem da es nicht nach Wasabi geschmeckt hat. Das Schokoladengetränk hat schon an Schokolade erinnert, was aber gleichzeitig nicht bedeutet, dass es deswegen lecker war. Und zu guter Letzt das ungenießbare Takoyaki-Getränk. Jeder, der Takoyaki kennt, wird verstehen, dass es einfach nicht gut schmecken kann. Allen anderen erkläre ich nun, was Takoyaki ist: Gebratene Oktopus-Bällchen. Na, noch Fragen?


Wie groß ist Tokyo? – Teil 1

26. April 2008

Man kann sich schwer vorstellen – selbst wenn man hier lebt – wie groß Tokyo eigentlich wirklich ist. Ich versuche es mal durch Vergleiche zu deutschen Städten etwas darzustellen. Dabei muss man zwischen den Bezeichnungen Stadt und Metropolregion (das Rhein-Main-Gebiet ist zum Beispiel eine solche) unterscheiden.

Stadt Tokyo

Nimmt man nur die Stadt für sich, ist Tokyo gar nicht so groß. Mit ca. 8,5 Millionen Einwohner ist es nur die zwölft größte Stadt der Welt. All diese Menschen tummeln sich auf einer Fläche von knapp 621 km², womit man rechnerisch auf eine Bevölkerungsdichte von 13.650 Einwohnern pro km² kommt. Um das Ganze besser einordnen zu können, hier mal der Vergleich mit drei deutschen Städten.

Berlin

Die deutsche Hauptstadt Berlin hat ca. 3,4 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 891 km² (Bevölkerungsdichte: 3.820 Einw./km²). Damit Leben in Tokyo zweieinhalb Mal so viele Menschen auf nur 70% der Fläche von Berlin. Somit ist die Bevölkerungsdichte in Tokyo dreieinhalb Mal so groß. Geht doch noch. 🙂

Frankfurt

Ich wusste gar nicht, dass Frankfurt so klein ist. Laut wikipedia leben hier nur 667.000 Menschen auf knapp 250 m² (Bevölkerungsdichte: ~2.700 Einw./km²). Das heißt, Tokyo ist flächenmäßig zweieinhalb Mal so groß wie Frankfurt mit jedoch mehr als zwölfmal so vielen Einwohnern.

Alzenau

Ok der Vergleich ist unfair, aber da es meine Heimatstadt ist mache ich eine Ausnahme 😉 .
Mit 19.000 Menschen hat Alzenau wohl weniger Einwohner als die Anzahl an Japanern, die sich zusammen in einen Zug quetschen können. Auf 60 km² ist es aber wohl doch angenehmer in Alzenau (Bevölkerungsdichte: 320 Einw./km²). Der Vergleich zu Tokyo? Tokyo ist zehnmal so groß (gar nicht so viel!) und hat 450 Mal so viele Einwohner (ups).

Summa Summarum

Insgesamt ist die Stadt Tokyo von der Einwohnerzahl her so groß wie Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main und Stuttgart (die sechs größten Städte Deutschlands) zusammen. Wie man also leicht sehen kann, ist Tokyo eigentlich gar nicht so groß…

Tokyo als Metropolregion werde ich das nächste Mal in einem eigenen Post behandeln.

Nachtrag: Hier geht es zu Teil 2!