Heute vor zwei Jahren…

7. September 2009

bin ich zum ersten Mal auf dieser Insel mit dem Namen Japan gelandet. Seitdem habe ich:

  • Fuji-san, den höchsten Berg Japans,  bei Nacht bestiegen und einen wundervollen Sonnenaufgang von der Spitze betrachtet
  • meine wundervolle Freundin kennengelernt
  • Oktopus-, Shrimps-, Wasabi, Kuhzunge- und noch einige weitere seltsame Eissorten gegessen
  • die Rainbowbridge zu Fuß überquert
  • Dschingis Khan beim Karaoke gesungen
  • viele neue Freunde von der ganzen Welt kennengelernt
  • mit diesen meinen 24sten Geburtstag in einer japanischen Kneipe (Izakaya) gefeiert
  • mehrmals ein Erdbeben der stärke 3 bis 4 miterlebt
  • an einer Erdbebensimulation der Stärke 7+ teilgenommen
  • mehrere Taifune kommen und gehen sehen und dabei mehr als einen Regenschirm verloren
  • mehrere Fahrten mit dem Shinkansen gemacht
  • an einer Teezeremonie teilgenommen
  • Tokyo von oben gesehen – bei Tag wie auch bei Nacht
  • viele Details über die traurige Geschichte von Hiroshima und Nagasaki gelernt
  • volle Züge, sehr volle Züge und sehr sehr volle Züge erlebt
  • eine ganze Packung Natto gegessen
  • dem Kaiser und seiner Familie zugewunken
  • FC Bayern München gegen Urawa Reds spielen sehen
  • der Baseball-Mannschaft von Tokyo, den Giants, zugejubelt und wurde auf dem Stadiondisplay gezeigt
  • den größten Fischmarkt der Welt besucht und gesehen, wie tiefgefrorener Thunfisch wie ein Stück Holz zersägt wird
  • dort um 9 Uhr morgens ein köstliches Sushi-Frühstück gegessen
  • Schuhe in meiner Größe gefunden
  • in einem buddhistischen Tempel übernachtet und an der frühmorgentlichen Gebetszeremonie teilgenommen
  • und noch vieles mehr…

Danke an alle, die mir das ermöglicht, mich dabei unterstützt und auf dieser Reise begleitet haben!

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Taifun Nr. 9

10. August 2009

Eigentlich wollte ich heute Abend Wäsche waschen und über Nachtauf dem Dach hängen lassen. Doch angesichts der aktuellen Meldung, dass ein Taifun um Anmarsch ist und morgen früh um ungefähr 9 Uhr an Tokyo vorbeiziehen soll, werde ich meine Wäsche wohl doch um einen Tag verschieben.

Während sich Taifun Nr. 8 mit dem Namen „Morakot“ derzeit langsam über China abschwächt, nachdem er vorher über Taiwan gezogen ist, hat sich Taifun Nr. 9, auch „Etau“ genannt, für das Land der aufgehenden Sonne entschieden. Während sich die Ausläufer heute schon vor allem im Westen Japans, aber auch in Tokyo durch starke Regenfälle bemerkbar gemacht haben, wird der eigentliche Taifun erst für morgen früh in der japanischen Hauptstadt erwartet. Allerdings wird er wohl nicht direkt auf Tokyo treffen, sondern auf dem Meer Richtung Osten vorbeiziehen.

Aktuelle Position und voraussichtlicher Verlauf von Taifun Nr. 9

Aktuelle Position und voraussichtlicher Verlauf von Taifun Nr. 9

Auf dem Bild oben sieht man den Verlauf des Taifuns: Die blaue Linie ist die Strecke, die er bisher zurückgelegt hat, das Kreuz ist die aktuelle Position und die weißen Kreise zeigen den geschätzten zukünftigen Weg des Taifuns. Auf der Seite der „Japan Meteorological Agency“ findet man immer die aktuellsten Informationen dazu.

Wie man übrigens an der Nummer sehen kann, gibt es nicht nur einen Taifun im Jahr, sondern gleich mehrere mit unterschiedlichen Verläufen und Stärken. Die Taifun-Saison beginnt meist im August und dauert bis Oktober, es dürfte also nicht bei „Etau“ bleiben.

Ich habe durch mein Austauschjahr in Japan ja schon ein bißchen Erfahrung mit Taifunen und ich muss sagen – falls ihr euch jetzt schon Sorgen um meine Sicherheit gemacht habt – dass es in der Regel ziemlich ungefährlich abläuft. Meistens stoppen die Züge vorsichtshalber für eine Weile  und man findet am nächsten Tag jede Menge zerstörte Regenschirme auf den Straßen. Wenn es morgen früh also zu heftig regnet und stürmt, werde ich wohl erst später zur Uni gehen.

Der Vorteil an Taifunen ist übrigens, dass es danach meist schönes Wetter gibt, da einfach alle Wolken weggefegt werden. Zumindest könnte ich dann endlich meine Wäsche waschen…

Nachtrag: Der Taifun ist weiter entfernt von Tokyo verlaufen als vorher angenommen, so dass es hier in Saitama nicht mal geregnet hat. In Tokyo und Yokohama gab es zwar recht starken Regen, aber scheinbar ohne taifun-typische Auswirkungen.


Sayama Tee

4. August 2009

Letztens habe ich eine Recherche nach Sehenswürdigkeiten in Saitama (die Präfektur, in der ich derzeit wohne) durchgeführt. Da Saitama hauptsächlich dazu dient, denjenigen Leuten Schlafplätze anzubieten, welche tagsüber die ganzen U-Bahnen in Tokyo verstopfen, gibt es hier eigentlich kaum etwas Erwähnenswertes. Dadurch stößt man bei einer Suche über Saitama recht schnell auf andere interessante Informationen. Zum Beispiel, dass ein in Japan recht berühmter Tee aus Saitama kommt, der sogenannte Sayama-cha. Da ich schon immer einmal sehen wollte, wie Tee wächst bzw. wie eine Teeplantage aussieht, habe ich in Google Earth nachgesehen, wo die Stadt Sayama denn genau liegt. Zu meiner Überraschung konnte ich feststellen, dass die Stadt gerade mal zehn Kilometer von meinem Gästehaus entfernt liegt! Da der Tee aber nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch in der Umgebung angebaut wird, habe ich mich kurzerhand auf mein Fahrrad geschwungen und bin in Richtung Sayama losgefahren.

Zum einen habe ich dabei festgestellt, dass es hier auch Natur gibt (normalerweise bin ich immer in die andere Richtung – zum Bahnhof – unterwegs, wo alles mit Straßen und Häuser zugepflastert ist). Zum anderen hat es weniger als zehn Minuten gedauert, bis ich auf die ersten Teepflanzen gestoßen bin! Hier mal ein paar Bilder:

Als ich dann von einer Gästehaus-Mitbewohnerin erfahren habe, dass es einen Teeladen hier in der Nähe gibt, habe ich mich heute gleich mal dorthin auf den Weg gemacht. Und es gab dort tatsächlich fast ausschließlich Sayama Tee, den dann allerdings in verschiedenen Qualitätsstufen: Vom billigsten für knapp 4 Euro pro 100 Gramm bis hin zum teuersten für mehr als 22 Euro pro 100 Gramm-Beutel! Nach einer frisch aufgebrühten Teeprobe habe mich für die Empfehlung der Besitzerin entschieden und etwas mehr als 6 Euro bezahlt. Wer den Tee mal probieren möchte ist im Oktober gerne zu einer kleinen Tee-Verkostung bei mir in Deutschland eingeladen 🙂 .


Fujimino?

26. Juli 2009

Mein Gästehaus befindet sich ja in der Tokyoter Vorstadt mit dem schönen Namen Fujimino. Fujimino bedeutet in etwa soviel wie „Fuji (gemeint ist der Berg) – sehen – Feld/Land/Provinz. Im Prinzip also das Feld, von dem aus man den Berg Fuji sehen kann. Bisher war es am Horizont leider immer zu dunstig, um von dem Dach des Gästehauses den höchsten Berg Japans sehen zu können. Heute jedoch hatten wir prima Wetter mit weiter Sicht – und tatsächlich konnte ich den Fuji sehen! Er war sogar größer, als ich vermutet hatte.

Ich habe ein Bild mit meinem Handy gemacht (da meine Kamera derzeit kaputt ist – ich habe meine Panasonic Kamera im Panasonic Showroom fallen gelassen…); in echt war er wesentlich deutlicher, aber ich denke man kann ihn auch auf diesem Bild erkennen:

Der Berg Fuji - ziemlich in der Mitte zu sehen

Der Berg Fuji - ziemlich in der Mitte zu sehen

Ich habe mich auf jedenfall riesig gefreut und es hat mir Lust gemacht, in der Nähe des Fuji Urlaub zu machen, nur um morgens das Fenster aufzumachen und den majestätischen Fuji vor mir zu sehen. Mal sehen ob sich da was machen lässt.


Verkündung von Sonnenschein

14. Juli 2009

Der große Prophet Dominic verkündet heute, dem vierzehnten Tag im siebten Monat des 21. Jahres nach Heisei, das offizielle Ende der Regenzeit in Tokyo.

Warum es erst heute offiziell zu Ende ist, obwohl schon seit drei Tagen täglich die Sonne scheint, kann er euch allerdings auch nicht erklären. Wahrscheinlich hängt das mit der hochkomplexen Definition vom Ende der Regenzeit zusammen („Wenn drei Tage in Folge die Sonne scheint, ist die Regenzeit vorbei. Oder sagen wir besser vier? Hol mal jemand die Würfel!“)

Immerhin ist die Regenzeit fünf Tage früher als letztes Jahr zu Ende. Bezogen auf den Durchschnitt seit Beginn der Regenzeitaufzeichnungen hörte die diesjährige „fünfte Jahreszeit“ sogar sechs Tage früher auf. Über den nun beginnenden Sommer werde ich mich hier in nächster Zeit sicher auch Mal beschweren 😉 .


Zugfahrtaktiken – Ein Ratgeber

5. Juli 2009

Hier in Tokyo ist Zugfahren eine eigene Wissenschaft für sich. Nach mehr als 12 Monaten in Japan bin ich auf dem Gebiet zwar immer noch ein Amateur, trotzdem möchte ich meine Gedanken und Überlegungen zu Taktiken für ein möglichst angenehmes Zugfahren präsentieren:

Strategie 1: Resignation

Hier lautet das Motto: Einfach rein in den Zug und sich irgendwo in der Nähe der Türen hinstellen. Zu Zeiten der Rush-Hour (zwischen 7 und 9 Uhr und 17 und 19 Uhr) ist wohl ausschließlich diese Strategie möglich, da man schon froh ist, wenn man überhaupt noch in den Zug reinpasst. Viel Wahl, wo man stehen möchte, hat man nicht, und an einen Sitzplatz braucht man erst gar nicht zu denken.

Strategie 2: Unbedrängte Resignation

Ähnlich Stategie 1, doch hier bleibt man nicht bei den Türen stehen, sondern stellt sich in den Gang zwischen den Sitzplätzen. So hat man den Vorteil, dass man nicht so stark bedrängt wird.  Denn in vollen Zügen bildet sich meistens ein Menschenklumpen bei den Türen, wohingegen die Gänge halbwegs frei blieben (lies: ca. 5 cm Platz um einen herum). Diese Strategie eignet sich jedoch nicht für kurze Strecken, da man sich sonst durch die Menschenmenge wieder nach draußen kämpfen muss. Wer schonmal einen Elefanten in seiner zwei Quadratmeter Vorratskammer hatte und dann an das hinterste Regal musste, weiß wovon ich rede.

Strategie 3: Hoffnungsschimmer

Für diese Strategie sollte ich erstmal den Aufbau einer japanischen Bahn erklären: Anders als man es sich vielleicht vorstellt zeigen die Sitze (zumindest bei den Bahnen in Tokyo) zur Innenseite des Zuges, ähnlich den deutschen Fahrradwaggons mit den aufklappbaren Sitzen.
Für Strategie Nummer drei stellt man sich also direkt vor eine sitzende Person und hofft darauf, dass sie vor einem selbst den Zug verlässt und man sich dann setzen kann. Das funktioniert natürlich nur, falls man keine rabiate japanische Oma neben sich stehen hat, die sich, bevor man überhaupt reagieren kann, geschwind unter den noch im Prozess des Aufstehens befindenden Fahrgast schiebt und einem somit den letzten Hoffnungschimmer auf eine faire Welt eiskalt auslöscht.
Oder was mir auch schon passiert ist, dass der aufstehende Fahrgast mich abblockt, obwohl ich direkt vor ihm stand, um einer älteren Dame anzudeuten, dass sie sich auf seinen Platz setzen könne. Als ob ich nicht die Höflichkeit besäße, rabiaten japanischen Omas meinen Sitzplatz, auf den ich schon seit zwanzig Minuten warte, abzugeben. Also sowas!

Strategie 4: Stehen für Faule

Sofern frei, kann man sich auch an eine der Wände des Zuges lehnen, meist in der Nähe der Türen. Das ist zwar nicht ganz so angenehm wie Sitzen, beansprucht allerdings weniger Muskeln als normales Stehen, wo man jede Geschwindigkeits- oder Richtungsveränderung abfedern muss. Beachten sollte man jedoch, dass man die Möglichkeit auf einen Sitzplatz an eine der Strategie 3 benutzenden Personen abgibt. Zudem kann es unangenehm werden, wenn der Zug sehr voll ist, da sich – wie bereits geschrieben – im Bereich der Türen die meisten Menschen anstauen.

Strategie 5: Der Sechser im Lotto

Es ist eigentlich einfach im Zug zu sitzen. Zumindest wenn man morgens aus Tokyo heraus oder abends nach Tokyo hinein fährt, also genau in die andere Richtung wie zehn Millionen Japaner. Das ist jedoch wahrscheinlich unwahrscheinlich.
In der realistischeren Gegebenheit, dass man mit den zehn Millionen Japanern in die gleiche Richtung fahren muss, gibt es zwei verschiedene Situationen:
Fährt man von dem Bahnhof los, an dem der Zug beginnt (wenn man zum Beispiel dort wohnt), kann man sich in einer Zweier- oder Dreierreihe anstellen. Sobald der Zug kommt und die Türen aufgehen spielt man eine Art „Reise nach Jerusalem„. Personen die regelmäßig auf Kindergeburtstage gegangen sind haben hier ganz klare Vorteile. Manchmal ist aber schon absehbar, dass man keine Chance mehr auf einen Sitzplatz bekommt. In diesem Fall stellt man sich einfach neben die erste Menschenreihe und wartet auf den darauffolgenden Zug. Bei einer Frequenz von einem Zug alle fünf Minuten sicherlich eine verständliche Strategie. Das meiste, was ich bis jetzt erlebt hatte, waren drei Reihen, nämlich eine für den nächsten, eine für den übernächsten und eine für den über-übernächsten Zug.

In der zweiten Situation hat man nicht das Glück, von einem Anfangsbahnhof aus abfahren zu können (so wie ich bei meinem jetzigen Aufenthalt). Zu Stoßzeiten ist dann ein Sitzplatz auf Anhieb wie ein Sechser im Lotto. Meistens setze ich auf Strategie 3, sofern möglich.
Den Nachteil eines Sitzplatzes möchte ich dann aber auch nicht verschweigen: Einschlafende Japaner. Diese durchaus nicht seltene Spezies schafft es mit 99 prozentiger Trefferwahrscheinlichkeit in meine Richtung einzunicken. Ihr Kopf sinkt dann kontinuierlich immer weiter ab, bis er auf meiner Schulter liegt. Strategien dagegen stelle ich dann das nächste Mal vor 😉 . Eine wirklich effiziente habe ich jedoch leider noch nicht gefunden. Eine kleine Abhilfe schafft Strategie 6:

Strategie 6: Sechser im Lotto mit Zusatzzahl

Heiß begehrt und selbst zu fahrgastarmen Zeiten schwer zu bekommen sind die Randplätze. Die Chance, eine unangenehme Person neben sich sitzen zu haben, reduziert sich hierbei immerhin um 50 Prozent! Zudem spart man beim Aussteigen geschätzte fünf Sekunden gegenüber den Mittelplätzen. Wer will da nicht am Rand sitzen?! Tatsächlich sind die Plätze so beliebt, dass im Falle des Freiwerdens die Leute neben den Randplätzen auf diese aufrutschen und somit die ganze Strategieplanung durcheinander bringen. Falls man also tatsächlich mal solch einen Platz erbeutet, würde ich vorschlagen über das eigentliche Ziel hinauszufahren und einfach nur den Sitzplatz zu genießen. Solch eine Chance kommt nicht so schnell wieder!

Ich hoffe ich konnte euch mit diesem Ratgeber etwas helfen um das Bahnfahren in Tokyo so angenehm wie möglich zu gestalten. 😉


Haushaltstipps

16. Juni 2009

Manchmal hat es schon Vorteile, wenn man eine gewisse Kenntnis der japanischen Sprache hat….. könnte man naiverweise denken, wenn man im Land der aufgehenden Sonne zum ersten Mal auf die fremde Sprache und komplexen Schriftzeichen stößt. Dass dem aber nicht unbedingt so sein muss, möchte ich an zwei Beispielen darlegen:

Zum einen konnte ich vor kurzem zum ersten Mal einen wichtigen Hinweis auf meiner Brotverpackung entziffern. Bei dem Brot, welches ich meistens kaufe, handelt es sich um ziemlich weiches, in sechs Scheiben fertig geschnittenes Brot, welches in einer Plastikverpackung daherkommt. Nun steht auf derselbigen geschrieben, dass man nach dem ersten Öffnen die noch nicht verzehrten Brotscheiben einzeln in Folie einwickeln und in den Kühlschrank legen soll. Was ist das denn bitte? Kann die Brotfirma die Scheiben denn nicht schon von Fabrik aus einzeln abpacken? 😉

Noch vorteilhafter ist eine Unkenntnis der japanischen Sprache (bzw. Schrift) allerdings bei Milchtüten. Auf eben diesen steht nämlich der Hinweis, dass man sie nach Gebrauch aufschneiden, ausspülen und zum Trocknen aufhängen soll! Könnt ihr euch vorstellen, dass in meinem Kühlschrank seit vier Tagen eine leere Milchtüte steht, weil ich keine Lust auf diese Prozedur habe? Aber eigentlich brauche ich dazu gar nicht viel erzählen, ein Bild aus der Gemeinschaftsküche des Gästehauses sagt wohl mehr als tausend Worte:

Milchtüten