Kakunodate – Kirschblüten Wunderland?

Die Kirschblüte ist eines der größeren Ereignisse jedes Jahr in Japan. Sie signalisiert den Beginn des Frühlings und gleichzeitig auch einen Neuanfang. Sobald die ersten Knospen blühen, findet man viele Japaner auf einer blauen Plastikplane unter einem Kirschbaum vor, wie sie mit ihrer Familie, Freunden oder Arbeitskollegen Hanami (wörtlich: Blumenschau) feiern. Wer schonmal in einem Park in Japan Kirschbäume blühen gesehen hat, kann die Begeisterung der Japaner verstehen.

Da ich dieses Jahr erst Ende April nach Japan geflogen bin, habe ich die Kirschblüte in Tokyo (meist Anfang April) leider verpasst. Und das, obwohl sie schon spät dran war, da es lange Zeit recht kalt war. Davon wollte ich mich aber nicht abhalten lassen, und so reiste ich der Kirschblüte hinterher, die den kälteren Norden Japans erst Ende April/Anfang Mai erreicht. Natürlich sollte es nicht irgendein beliebiger Park sein, sondern ich habe mir ein beliebtes, vielversprechendes Reiseziel ausgesucht: Kakunodate. Nicht nur eine Straße mit Häusern alter Samurai-Familien ist hier mit Kirschbäumen verziert, sondern auch am breiten Fluss, der sich durch die Stadt schlängelt, steht ein Kirschbaum nach dem anderen. Die Bilder, die ich vorher im Internet gesehen habe, waren einfach spektakulär. Die Bilder, die ich dort gemacht habe, sind es eher weniger.
Dabei habe ich extra jeden Tag die Kirschblüten-Vorhersage (ja, so etwas gibt es wirklich!) im Internet gelesen, und auch einen Tag vor meiner Abreise sah es noch sehr gut aus. Die Blüten hätten zwar schon angefangen zu fallen, es seien aber noch mehr als fünfzig Prozent auf den Bäumen. Eine vielversprechende Vorhersage.

So habe ich mich also auf die Fahrt gemacht, die Digitalkamera in der einen, die Handykamera in der anderen Hand. Am Bahnhof von Hakodate war es überraschend leer, das hätte mich schon stutzig machen müssen. Ich habe das aber mit der späten Uhrzeit (12 Uhr) und dem Wochentag (Montag) gerechtfertigt. Also machte ich mich auf den Weg zum Samuraiviertel. Nach einer Viertelstunde sollte ich laut Karte am Anfang der mit Kirschbäumen überdeckten Straße und den Samuraihäusern stehen. Die Samuraihäuser waren da, Bäume auch. Allerdings waren die Bäume einfach grün. Grün! Ich konnte sie dann von Nahem als Kirschbäume identifizieren, da bei einigen noch vereinzelt Blüten dranhingen. Aber von dem eindruckvollen weißen Blütentunnel war keine Spur.

Das erklärte auch, warum die Gegend so totenstill war, denn außer ein paar chinesischen Touristen war fast niemand da. Die Japaner wussten wohl mehr als ich. Meine ganze Hoffnung auf die Kirschbäume am Fluss legend, habe ich dann schnell in die Samuraihäuser reingeschaut („toll, ein Haus ohne Möbel“) und bin Richtung Fluss marschiert. Da war er, der Tunnel aus Kirschbäumen! Aber wieder komplett in Grün. Und keine Menschenseele weit und breit. Das war dann der Augenblick, an dem ich mir überlegte, um wieviel Uhr denn der nächste Zug von Kakunodate wegfährt.

Und dann habe ich ihn doch gesehen. Den einen Kirschbaum, am Flussufer, etwas abseits stehend. In voller Pracht und auf dem Höhepunkt seiner Blüte strahlte er in leuchtendem Weiß.

Und darunter lag natürlich die japanische Familie auf ihrer blauen Plasikplane.

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