Gundam: Blechgodzilla vor der Küste Tokyos

10. Juli 2009

Gundam

Auf Odaiba, einer künstlich aufgeschütteten Insel vor/bei/in Tokyo, gibt es derzeit einen riesigen Gundam zu betrachten. Gundam? Um das genauer zu erklären muss ich wieder einmal etwas weiter ausholen:

Im Jahr 1979 kam eine Serie namens „Mobile Suit Gundam“ ins japanische Fernsehen, in der sich riesige, von Menschen gesteuerte Kampfmaschinen (Gundams), gegenseitig bekämpfen. (Da ich die Serie nie gesehen habe, sind meine Informationen dazu mit Vorsicht zu genießen). Die Serie war wohl so erfolgreich, dass es schließlich auch Comics/Mangas, Kinofilme (Neun Stück bis jetzt!), Computerspiele, Modellbausätze usw. gab. Gundam ist hier super bekannt und vor allem bei Jungs (wohl verständlicherweise) sehr beliebt.

Nun hat die Serie in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum und zur Feier hat man auf Odaiba einfach mal einen riesigen Gundam aufgestellt: 18 Meter hoch und 35 Tonnen schwer! Die offizielle Jubiläumszeitraum ist wohl vom 11. Juli bis zum 31. August, allerdings steht der Gundam bereits seit einigen Tagen schon fertig aufgebaut. Als ich vor knapp zwei Wochen auf Odaiba war, konnte er bereits in seiner vollen Größe betrachtet werden und da habe ich natürlich die Gelegenheit genutzt um mir das Ganze von Nahem  anzusehen. Der fertige Gundam ist angeblich schick beleuchtet, versprüht Nebel und bewegt seinen Kopf ein wenig. Als ich da war, hat er das allerdings noch nicht gemacht, sondern stand nur still und friedlich da. Sie waren wohl nicht nicht ganz fertig mit dem Aufbau/Einbau dieser Extra-Funktionen. Trotzdem war es schon sehr eindrucksvoll und hat mein Interesse an der Serie geweckt.

Ach, was erzähle ich eigentlich so viel, schaut es euch doch einfach an 🙂 :

Solltet ihr also in den nächsten Tagen nichts mehr von mir hören, könnte es daran liegen, dass ich gerade am Aufholen von dreißig Jahren Gundam-Folgen bin 😉

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Zugfahrtaktiken – Ein Ratgeber

5. Juli 2009

Hier in Tokyo ist Zugfahren eine eigene Wissenschaft für sich. Nach mehr als 12 Monaten in Japan bin ich auf dem Gebiet zwar immer noch ein Amateur, trotzdem möchte ich meine Gedanken und Überlegungen zu Taktiken für ein möglichst angenehmes Zugfahren präsentieren:

Strategie 1: Resignation

Hier lautet das Motto: Einfach rein in den Zug und sich irgendwo in der Nähe der Türen hinstellen. Zu Zeiten der Rush-Hour (zwischen 7 und 9 Uhr und 17 und 19 Uhr) ist wohl ausschließlich diese Strategie möglich, da man schon froh ist, wenn man überhaupt noch in den Zug reinpasst. Viel Wahl, wo man stehen möchte, hat man nicht, und an einen Sitzplatz braucht man erst gar nicht zu denken.

Strategie 2: Unbedrängte Resignation

Ähnlich Stategie 1, doch hier bleibt man nicht bei den Türen stehen, sondern stellt sich in den Gang zwischen den Sitzplätzen. So hat man den Vorteil, dass man nicht so stark bedrängt wird.  Denn in vollen Zügen bildet sich meistens ein Menschenklumpen bei den Türen, wohingegen die Gänge halbwegs frei blieben (lies: ca. 5 cm Platz um einen herum). Diese Strategie eignet sich jedoch nicht für kurze Strecken, da man sich sonst durch die Menschenmenge wieder nach draußen kämpfen muss. Wer schonmal einen Elefanten in seiner zwei Quadratmeter Vorratskammer hatte und dann an das hinterste Regal musste, weiß wovon ich rede.

Strategie 3: Hoffnungsschimmer

Für diese Strategie sollte ich erstmal den Aufbau einer japanischen Bahn erklären: Anders als man es sich vielleicht vorstellt zeigen die Sitze (zumindest bei den Bahnen in Tokyo) zur Innenseite des Zuges, ähnlich den deutschen Fahrradwaggons mit den aufklappbaren Sitzen.
Für Strategie Nummer drei stellt man sich also direkt vor eine sitzende Person und hofft darauf, dass sie vor einem selbst den Zug verlässt und man sich dann setzen kann. Das funktioniert natürlich nur, falls man keine rabiate japanische Oma neben sich stehen hat, die sich, bevor man überhaupt reagieren kann, geschwind unter den noch im Prozess des Aufstehens befindenden Fahrgast schiebt und einem somit den letzten Hoffnungschimmer auf eine faire Welt eiskalt auslöscht.
Oder was mir auch schon passiert ist, dass der aufstehende Fahrgast mich abblockt, obwohl ich direkt vor ihm stand, um einer älteren Dame anzudeuten, dass sie sich auf seinen Platz setzen könne. Als ob ich nicht die Höflichkeit besäße, rabiaten japanischen Omas meinen Sitzplatz, auf den ich schon seit zwanzig Minuten warte, abzugeben. Also sowas!

Strategie 4: Stehen für Faule

Sofern frei, kann man sich auch an eine der Wände des Zuges lehnen, meist in der Nähe der Türen. Das ist zwar nicht ganz so angenehm wie Sitzen, beansprucht allerdings weniger Muskeln als normales Stehen, wo man jede Geschwindigkeits- oder Richtungsveränderung abfedern muss. Beachten sollte man jedoch, dass man die Möglichkeit auf einen Sitzplatz an eine der Strategie 3 benutzenden Personen abgibt. Zudem kann es unangenehm werden, wenn der Zug sehr voll ist, da sich – wie bereits geschrieben – im Bereich der Türen die meisten Menschen anstauen.

Strategie 5: Der Sechser im Lotto

Es ist eigentlich einfach im Zug zu sitzen. Zumindest wenn man morgens aus Tokyo heraus oder abends nach Tokyo hinein fährt, also genau in die andere Richtung wie zehn Millionen Japaner. Das ist jedoch wahrscheinlich unwahrscheinlich.
In der realistischeren Gegebenheit, dass man mit den zehn Millionen Japanern in die gleiche Richtung fahren muss, gibt es zwei verschiedene Situationen:
Fährt man von dem Bahnhof los, an dem der Zug beginnt (wenn man zum Beispiel dort wohnt), kann man sich in einer Zweier- oder Dreierreihe anstellen. Sobald der Zug kommt und die Türen aufgehen spielt man eine Art „Reise nach Jerusalem„. Personen die regelmäßig auf Kindergeburtstage gegangen sind haben hier ganz klare Vorteile. Manchmal ist aber schon absehbar, dass man keine Chance mehr auf einen Sitzplatz bekommt. In diesem Fall stellt man sich einfach neben die erste Menschenreihe und wartet auf den darauffolgenden Zug. Bei einer Frequenz von einem Zug alle fünf Minuten sicherlich eine verständliche Strategie. Das meiste, was ich bis jetzt erlebt hatte, waren drei Reihen, nämlich eine für den nächsten, eine für den übernächsten und eine für den über-übernächsten Zug.

In der zweiten Situation hat man nicht das Glück, von einem Anfangsbahnhof aus abfahren zu können (so wie ich bei meinem jetzigen Aufenthalt). Zu Stoßzeiten ist dann ein Sitzplatz auf Anhieb wie ein Sechser im Lotto. Meistens setze ich auf Strategie 3, sofern möglich.
Den Nachteil eines Sitzplatzes möchte ich dann aber auch nicht verschweigen: Einschlafende Japaner. Diese durchaus nicht seltene Spezies schafft es mit 99 prozentiger Trefferwahrscheinlichkeit in meine Richtung einzunicken. Ihr Kopf sinkt dann kontinuierlich immer weiter ab, bis er auf meiner Schulter liegt. Strategien dagegen stelle ich dann das nächste Mal vor 😉 . Eine wirklich effiziente habe ich jedoch leider noch nicht gefunden. Eine kleine Abhilfe schafft Strategie 6:

Strategie 6: Sechser im Lotto mit Zusatzzahl

Heiß begehrt und selbst zu fahrgastarmen Zeiten schwer zu bekommen sind die Randplätze. Die Chance, eine unangenehme Person neben sich sitzen zu haben, reduziert sich hierbei immerhin um 50 Prozent! Zudem spart man beim Aussteigen geschätzte fünf Sekunden gegenüber den Mittelplätzen. Wer will da nicht am Rand sitzen?! Tatsächlich sind die Plätze so beliebt, dass im Falle des Freiwerdens die Leute neben den Randplätzen auf diese aufrutschen und somit die ganze Strategieplanung durcheinander bringen. Falls man also tatsächlich mal solch einen Platz erbeutet, würde ich vorschlagen über das eigentliche Ziel hinauszufahren und einfach nur den Sitzplatz zu genießen. Solch eine Chance kommt nicht so schnell wieder!

Ich hoffe ich konnte euch mit diesem Ratgeber etwas helfen um das Bahnfahren in Tokyo so angenehm wie möglich zu gestalten. 😉


Alte Bekannte & Wischmopps

2. Juli 2009

Es gibt wieder ein paar neue Sachen zu berichten. Denn gestern, als ich gerade wegen einer administrativen Sache im Verwaltungsgebäude war, spricht mich auf einmal jemand an: „Dominic-san?“. Als ich mich dann umdrehte, habe ich ganz verblüfft festgestellt, dass mein ehemaliger Japanisch-Lehrer von meinem Austauschjahr an der Nihon Universität vor mir steht! Wie sich dann in einem kurzen Gespräch herausstellte, unterrichtet er nicht nur an der Nihon, sondern auch an der Tokyo Universität Japanisch. Wie klein Tokyo doch ist! Heute bin ich ihm dann gleich nochmal bei der Mensa begegnet.

Die zweiten News beziehen sich auf eben diese Mensa, in welcher ich heute zum ersten Mal war (es gibt ja mehrere Mensen hier). Es geht aber nicht direkt um die Mensa (in der man übrigens traditionell japanisch auf Tatami-Matten sitzend essen kann), sondern um ein Geschäft in der Nähe, welches sehr gut meinen Vollversorgung-Artikel ergänzt. Abgesehen von den üblichen Schreibartikeln und diversem Bürozubehör gibt es hier nämlich vor allem Elektronik. Kabel, Router, Rohlinge, Drucker, Patronen, Bildschirme, Mäuse, Software, Laptop-Taschen und Laufwerke, aber auch komplette PCs, Laptops (ich habe 9 MacBooks gezählt) sowie Beamer.
Und wer glaubt, dass das schon alles war, hat sich getäuscht. Neben dem bereits Erwähnten bekommt man auch noch Postkarten, Fächer, Origami-Papier, Ventilatoren, Föns, Lampen, Bügeleisen und Wischmopps. Alles, was der durchschnittliche Universitätsstudent eben so braucht.