T Minus 6 Tage

31. Juli 2008

Ja, was gibt es wenige Tage vor meiner Heimreise nach Deutschland noch zu sagen… ich unternehme derzeit durchaus noch einige Dinge, zu denen ich gerne etwas schreiben möchte, allerdings mangelt es im Moment etwas an Zeit dafür. Deshalb müsst ihr euch wohl vorerst mit den Bildern begnügen, die ich versuche noch regelmäßig hochzuladen. Sobald ich zurück bin, habe ich vor noch ein paar Sachen nachzutragen.

Ansonsten war ich heute wie angekündigt beim Fußballspiel von Bayern München gegen die Urawa Red Diamonds. Wie erwartet haben die Bayern natürlich gewonnen, und zwar mit 4 zu 2. 😉
Gut gespielt haben sie allerdings nur in der ersten Halbzeit. Danach hatte ich das Gefühl, dass sie für die 1,5 Millionen Euro, die sie für das Spiel kassieren, auch etwas zurückgeben wollten. Aber vielleicht hat ihnen auch nur der Jetlag zu schaffen gemacht.

Nur noch fünf volle Tage für mich in Japan und am sechsten geht schon mein Heimflug. Die letzten Tage hier in Japan vergehen schnell. Den Koffer werde ich wahrscheinlich am Samstag oder Sonntag das erstmal testpacken und hoffen, dass alles reinpasst. Ansonsten muss ich wohl doch noch ein Paket schicken.

Ich denke ich mache noch einen Eintrag vor meiner Abreise, erwartet aber nicht allzuviel Geistreiches 😉 .

P.S.: Hab ich irgendwas verpasst, oder was ist an Mineralwasser aus Hawaii so besonders?

Suchstatistik meines Blogs

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Fujisan

24. Juli 2008

3776 Meter. Ein Vulkan. Ein Mann.
Ok, ganz alleine war ich nicht. Aber mal ganz von vorne:

Die Vorbereitung

Ich habe schon längere Zeit vorgehabt, auf den höchsten Berg Japans, den Fuji, zu steigen. Da die Hauptsaison zum Besteigen aufgrund von Schneefreiheit und akzeptablen Temperaturen im Juli und August ist, stand dem Vorhaben also nichts mehr im Wege. Nachdem ich etwas recherchiert hatte, wurde mir recht schnell klar, dass ich den aktiven Vulkan (allerdings mit sehr geringer Ausbruchswahrscheinlichkeit, zum Glück) nachts besteigen möchte, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang oben zu sein. Zudem sollte es an einem Wochentag stattfinden, da es am Wochenende sehr voll werden kann. Denn pro Jahr besteigen ca. 200.000 Menschen den Fuji, und die meisten davon im Juli und August.

So schloss ich mich also mit ein paar Freunden zusammen, die auch den Fuji besteigen wollten. Wir waren eine internationale Truppe bestehend aus einem Amerikaner, einer Französin, einem Schweden, einer Japanerin und zwei Deutschen. Wir entschieden uns schließlich für Montag, den 21. Juli 2008 als den Tag der Wahrheit. Ein paar Tage vorher wurde für 2600 Yen (ca. 15 Euro, einfache Fahrt) der Bus zum Fuji gebucht und ich habe einige notwendige Besorgungen gemacht, wie zum Beispiel Handschuhe und eine Mütze.

Da der Bus erst Montags abends fuhr, blieb mir am selbigen Tag noch genug Zeit, um Nahrungsmittel einzukaufen und den Rucksack zu packen. Ich habe vorher einige Erfahrungsberichte gelesen und dementsprechend bestand der Inhalt meines Rucksacks aus Folgendem:

  • 4 Liter Wasser (viel trinken hilft gegen die Höhenkrankheit)
  • 5 Onigiri (gut sättigende Reisbällchen) und Süßigkeiten
  • Turnschuhe zum Besteigen (habe leider keine Wanderschuhe)
  • Mütze und Handschuhe (auf dem Gipfel sind es zwischen 0 und 5 Grad im Sommer)
  • Digitalkamera und Camcorder
  • Pulli und Ersatz-T-Shirt für die Heimfahrt
  • Taschenlampe und Ersatzbatterien

Er war ordentlich schwer! Aber ich wusste ja, da ich während des Aufstiegs trinken und essen, und somit natürlich das Gewicht reduzieren würde. Daher war es schon ok.

Abfahrt

Ich verließ also um 16:00 Uhr meine Wohnung, um mich um 17:10 Uhr in Tokyo mit den anderen zu treffen. Zum Glück hatten wir 17:10 Uhr festgelegt, so dass die Letzten um 17:25 Uhr ankamen und wir ohne Probleme den Bus erreichen konnten, der uns ab 17:50 Uhr zum Fuji bringen sollte. Nach etwa zwei Stunden und zwanzig Minuten kamen wir um 21:10 Uhr an der 5. Station von Kawaguchiko auf 2305 Metern Höhe an. Von Kawaguchiko aus beginnt die populärste von vier möglichen Routen für eine Besteigung des Fuji. Wir gingen schließlich nochmal in das einzige Souvenirgeschäft, welches noch geöffnet war, um ein paar Sachen in ein Schließfach einzuschließen (unter anderem meine Schuhe für die Busfahrt) und uns wärmer anzuziehen. Fatalerweise hielt ich es nicht für nötig eine Jacke mitzubringen, musste allerdings schon auf der 5. Station den Pulli über mein Hemd ziehen. So nahm ich dann doch das T-Shirt, welches ich eigentlich für die Heimfahrt eingeplant hatte, sicherheitshalber mit auf den Weg zur Spitze.

Aufstieg

So machen wir uns also gegen 21:30 Uhr auf zum Gipfel des Fuji. Der Weg gliedert sich in neun Stationen (die 9. Station ist die Spitze), an denen sich jedesmal sowohl Hütten zum Einkaufen und Rasten wie auch Toiletten befinden. Da der Weg zwischen den Stationen teilweise sehr lang ist, befinden sich auch dazwischen noch kleinere Hütten.

Von der 5. bis zur 6. Station war es recht leicht. Es ging nicht sehr steil bergauf – anfangs sogar bergab – und wir erreichten die 6. Station nach schätzungsweise 45 Minuten. Ich wusste glücklicherweise durch die Erfahrungsberichte, dass der erste Teil der Besteigung leicht werden würde. Die Anderen scheinbar nicht, denn sie freuten sich schon auf eine einfache Besteigung. Ich habe ihnen nichts verraten 😉 . Man konnte übrigens sehr schön die Sterne sehen (von Tokyo aus nicht wirklich möglich…) und trotz der Dunkelheit sogar die Wolkendecke, die sich schon unter uns befand. Bereits jetzt freute ich mich auf die Aussicht bei Tag und ich sollte nicht enttäuscht werden.

An der 6. Station wurden Zettel mit dem weiteren Verlauf der Besteigung ausgeteilt und ab hier musste wir auch erstmals auf Lavagestein klettern. Es war zwar nicht gefährlich, aber man musste durchaus schonmal die Hände benutzen um sich abzustützen und weiter nach oben zu kommen. Hier verabschiedeten sich dann auch der Amerikaner und der Schwede von uns restlichen Vieren, da sie ein höheres Tempo bevorzugten. Diese Entscheidung sollten sie noch bereuen, aber dazu später mehr. Auf dem weiteren Weg hörte irgendwann das Lavagestein auf und wurde von rutschigem Sandboden abgelöst, wodurch es etwas anstrengender wurde. An unserem Willen den Gipfel zu erreichen hat das natürlich nichts geändert.

Die 7. Station auf 2700 Metern Höhe dürften wir ca. 80 Minuten nach Verlassen der vorherigen Station erreicht haben. Hier haben Chris (der andere Deutsche) und ich uns erstmal eine Instant-Nudelsuppe (Cup-Ramen) an der Hütte für erschwingliche 600 Yen (ca. 3,50 Euro) gekauft um uns aufzuwärmen und zu sättigen. Während es zwischen der fünften und der sechsten Station sehr dunkel war und es keine Hütten gab, konnte man schon von Beginn der siebten Station aus sehen, dass hier eine ganze Reihe an Hütten in absehbarer Entfernung stehen. So machten wir uns also auf den Weg und erreichten um 23:32 Uhr (Anmerkung: Fotos eigenen sich sehr gut zum zeitlichen dokumentieren – sofern man die Uhrzeit auf seiner Digitalkamera eingestellt hat) die dritte von insgesamt sieben Hütten bis zur 8. Station.

Um 0:44 Uhr kamen wir schließlich bei der 8. Station auf 3100 Metern Höhe an und merkten so langsam, dass wir zum einen durch den Aufstieg und zum anderen durch die voranschreitende Zeit langsam müder wurden. Zum Glück habe ich damals nicht nachgerechnet, denn hätte ich herausgefunden, dass wir gerade erstmal die Hälfte der Höhenmeter hinter uns gelassen haben, wäre mir der weitere Aufstieg sicherlich schwerer gefallen. Um 2:07 Uhr waren wir drei Hütten weiter und nur 150 Meter höher. Das lag wohl auch daran, dass wir nun viele Pausen machen mussten, nicht zuletzt wegen unserer zwei Begleiterinnen. Was aber kein Problem war, da wir von vorneherein damit rechneten und Chris und ich somit auch öfters Mal verschaufen konnten 🙂 . Irgendwo hier habe ich mir dann auch mein Ersatz-T-Shirt über meinen Pulli und mein Hemd gezogen, da es doch schon recht kalt war. Es sah zwar bescheuert aus, aber besser bescheuert aussehen als erfrieren 😉 . (Das dachte ich jedenfalls. Bis ich die Bilder von mir gesehen habe.)
Vielleicht ist es gut an dieser Stelle zu erwähnen, dass wir mit dem Sonnenaufgang zwischen 4:30 und 5:00 Uhr rechneten. Das Schild auf der aktuellen Station gab eine Dauer bis zur Spitze von 1:50 Stunden an. Es hat sich also durchaus machbar angehört, auch wenn wir die vorherigen Zeitangaben öfters überschritten hatten.

Die nächste Station, ich weiß leider nicht wann wir sie erreicht haben, war dann die „Original 8. Station“, was auch immer das bedeuten mag. Bei 3360 Metern Höhe befand sich dort auch das Fujisan Hotel, bei dem man wohl für ein paar Stunden übernachten kann, sofern man früher aufgebrochen ist. Diese Bergbesteigung-Light kam für uns natürlich nicht in Frage. Man ist schließlich nur einmal jung. Was uns allerdings etwas sorgen machte, war, dass man von hier aus eine riesige Schlange an Taschenlampenlichtern sehen konnte, welche sich im Zickzack den Berg hinauf schlängelte. Doch noch war ich guter Hoffnung, dass wir es rechtzeitig zur Spitze schaffen würden.
Bis es hinter mir langsam hell wurde. Und wir in der Schlange nur im Stop-and-Go Verfahren vorwärts kamen. Hier hatte ich die Hoffnung schon so gut wie aufgegeben und versucht mich damit abzufinden, den Sonnenaufgang nicht von der Spitze sehen zu können. Nächste Woche nochmal zu kommen, um es zu schaffen. Ich versuchte mir einzureden, dass man nicht unbedingt auf der Spitze sein muss. Geglaubt habe ich mir das selbst natürlich nicht. Verdammt, ich bin seit sieben Stunden geklettert, und am Ende schaffe ich es nicht, weil ich in einer Schlange schlimmer als im Disneyland stehe. Auf 3500 Metern Höhe um 03:30 Uhr nachts! Gefehlt hat nur noch das Schild: „Wartezeit ab hier: 90 Minuten“. Die Französin hatte mittlerweile schon aufgegeben und sich einen Platz am Wegesrand gesucht, um den Sonnenaufgang von dort aus zu sehen. Ich wollte nur noch so weit wie möglich nach oben, bevor die Sonne aufgeht. Hier mal ein paar Bilder mit Uhrzeiten, während wir nach oben kletterten (wir sind in dieser Zeit kaum vorwärts gekommen):

Minuten vor dem Sonnenaufgang

Minuten vor dem Sonnenaufgang (Klick zum Vergrößern)

Die Ankunft

Schätzungsweise 04:15 Uhr gab es auf einmal wieder Platz um an den anderen Bergsteigern vorbeizukommen. Es wurde vom Sandweg, auf dem man schlecht überholen konnte wieder zum Lavagestein. Wir witterten unsere Chance, sammelten all unsere verbliebenen Kräfte und kletterten im Eiltempo nach oben, an allen Anderen vorbei. Selbst unsere Japanerin konnte das hohe Tempo mitgehen. Es gab nun keine Pause mehr für uns, nur noch den Willen es rechtzeitig zum Sonnenaufgang zu schaffen. Es wurde immer heller und heller, ich konnte die Leute vor uns immer deutlicher erkennen. Das Ziel aber auch. Auf dem letzten Wegabschnitt (es kam wieder Sandboden) war dann ein Vater mit seinem Kind, die nicht hinter-, sondern nebeneinander laufen mussten. Und ich kam nicht vorbei. Nur der Geist des Fuji hat mich wohl ruhig bleiben lassen. Es war ein Kopf-an-Kopf Rennen im Endspurt gegen die Sonne, nur wir hatten uns kurz vor der Ziellinie nach vorne gelehnt! Denn um ca. 4:30 Uhr kamen wir noch vor Sonnenaufgang an der Spitze an, zwar völlig außer Atem, aber überglücklich es noch geschafft zu haben. Da um den Ankunftspunkt herum schon alles mit Japanern besetzt war, sind wir noch schnellen Schrittes ein paar Minuten weiter gelaufen, haben uns hingesetzt, die Kameras ausgepackt und dann war es auch schon soweit: Um 4:40 Uhr kam die Sonne hervor. Und die Strapazen haben sich gelohnt. Ich lasse hier mal ein paar Bilder sprechen, auch wenn die ganze Weite des Naturspektakels dabei gar nicht zur Geltung kommt.

40 Uhr

Sonnenaufgang um 4:40 Uhr

42 Uhr

Sonnenaufgang um 4:42 Uhr

Der Gipfel

Nachdem wir den Aufgang einige Zeit bewundert und viele Fotos geschossen hatten, sind wir weiter um den Schweden und Amerikaner zu suchen, die ja schon vor uns angekommen sein müssten. Wir sind ihnen glücklicherweise auch schnell über den Weg gelaufen und haben erfahren, dass sie sich schon seit zwei Stunden auf dem Gipfel befinden. Natürlich waren zu dieser Zeit noch keine Läden geöffnet, es war dunkel und schweinekalt. Durch den schnellen Aufstieg und zu wenig Wasser im Gepäck hatten sie natürlich auch Symptome der Höhenkrankheit, nämlich Kopfschmerzen (die auch den ganzen Abstieg über anhielten), sowie Schwindel und Atemnot beim Aufstieg. Wer nicht hören will muss eben fühlen. Glücklicherweise ist nichts schlimmeres passiert, obwohl sie die Symptome einfach ignoriert haben. Selbst ich habe trotz langsamen Aufstiegs und viel Wasserzufuhr leichte Symptome gemerkt, die jedoch schnell wieder weggingen.
Um den Krater herum (ca. eine Stunde Laufzeit) wollte dann keiner außer mir mehr gehen und alleine hatte ich auch keine große Lust dazu, zudem ein sehr kalter und unangenehmer Wind bließ. Zu guter Letzt haben wir also noch ein Foto mit dem Getränkeautomat auf dem Fuji gemacht (denn es gibt sie überall in Japan…). Die Französin muss wohl auch irgendwann später auf dem Gipfel angekommen sein, aber auch schon vor mir wieder runter. Ich habe sie jedenfalls nicht gesehen, aber der Abstieg war eh etwas chaotisch.

Der Abstieg

Der Amerikaner ist zuerst abgestiegen, da sein Flugzeug zurück in die USA noch am selben Tag ging! Der Schwede hat ihn begleitet und war schon ein ordentliches Stück unten, als ihm aufgefallen ist, dass er sein Handy auf dem Gipfel verloren hat. Er ist dann wieder den ganzen Weg zurück nach oben gelaufen und hat es zum Glück in einem Geschäft gefunden. So bin ich dann zu guter Letzt zusammen mit dem Schweden und der Japanerin wieder abgestiegen, da Chris und die Französin schon irgendwann vorher abgestiegen sind. Es ging im Zick-Zack nur noch auf Sandboden nach unten. Glücklicherweise war es ein anderer Weg als der Aufstiegspfad, denn das Lavagestein herunterzuklettern wäre wohl keiner von uns mehr in der Lage gewesen. Der Abstieg verlief weit weniger spannend als der Aufstieg, außer dass wir ordentlich sandig wurden und der Schwede einige Male ausrutschte, zum einen aufgrund des Sandbodens und zum anderen weil er durch den doppelten Aufstieg keine Kraft mehr hatte. Die Schilder mit den Distanzangaben waren nicht sehr genau, denn das 5 km und das 4,5 km Schild waren ca. 1 Stunde voneinander entfernt, wohingegen das 2,7 km Schild schon weitere 30 Minuten später folgte. Wir hatten schon Angst, es könnte Probleme geben den Bus zu erreichen, welchen wir für 11:00 Uhr fest gebucht hatten, doch nach ca. 3 1/2 Stunden Abstieg kamen wir erschöpft und glücklich um 10:00 Uhr wieder an der 5. Station an. Dort habe ich mir noch ein kleines Souvenir gekauft, meine Schuhe wieder gewechselt und mich ausgeruht. Pünktlich um 11 Uhr fuhr schließlich der Bus Richtung Tokyo ab, und ich glaube es gibt keinen aus unserer Gruppe der während der Fahrt nicht geschlafen hat 😉 .

Abstieg in die Wolken

Abstieg in die Wolken

Das war mein Bericht von der Besteigung des Fuji und ich bin sehr froh (wie jeder andere aus unserer Gruppe), dass ich es gemacht habe! Viele weitere Bilder könnt ihr euch wie üblich in meinem Webalbum ansehen.

Zum Schluss noch vielen Dank an alle, die es bis hierhin durchgehalten haben, dieser Eintrag ist etwas länger geworden. WordPress sagt mir es sind 2178 Worte. Wenn ich das nur jemals im Deutschunterricht geschafft hätte…


Zwei Wochen

23. Juli 2008

Heute genau in zwei Wochen mache ich mich auf den Weg zurück nach Deutschland. Genauergesagt checke ich um diese Uhrzeit wahrscheinlich gerade am Flughafen in Narita ein. Die letzte große Sache, die ich hier in Japan unternehmen wollte, habe ich vorgestern/gestern erledigt: Den höchsten Berg Japans, den Fuji, zu besteigen. Dazu aber bald ein eigener Eintrag.

Was werde ich also noch in den letzten zwei Wochen hier machen? Zum Einen muss ich natürlich noch ein paar bürokratische Sachen erledigen. Meine Krankenversicherung habe ich schon, mein Bankkonto und meinen Handyvertrag muss ich noch kündigen. Dann muss ich unbedingt noch schauen, was ich mitnehmen möchte (bzw. auf was ich verzichten kann) und ob ich alles in meinen Koffer bekomme. Falls nicht, muss ich noch ein Paket nach Deutschland schicken.

Ansonsten stehen in meinem Kalender für die restliche Zeit noch ein paar Events, auf die ich mich freue. So gibt es Ende Juli / Anfang August viele Feuerwerke in Japan, von denen ich mir mindestens eines ansehen möchte. Der Vorteil ist, dass es hier um 20 Uhr schon dunkel ist und die Feuerkwerke deswegen nicht so spät stattfinden müssen, weswegen sich auch der Sommer gut dafür eignet.

Desweiteren schaue ich mir am 31. Juli noch ein Freundschaftsspiel des FC Bayern München gegen die Urawa Red Diamonds an. Die Urawa Red Diamonds sind derzeit amtierender Meister der asiatischen Version der UEFA Champions League. Allerdings auch kein Wunder, wenn man sich die Trainer seit 2004 anschaut: Guido Buchwald, Holger Osieck, Gert Engels (alle aus Deutschland) 😉 . Auch einige deutsche Spieler haben in der Vergangenheit dort gespielt, unter anderem Michael Rummenigge und Uwe Bein. Ich gehe trotzdem nicht davon aus, dass die Urawa Red Diamonds gewinnen werden. Auf jedenfall ist es mein erstes Spiel des FC Bayern München (genauergesagt mein erstes Fußballspiel überhaupt), das ich in einem Stadion sehe.

Weiterhin gibt es noch einen Park in Tokyo, in den ich gehe möchte, nämlich den Rikugien. Zudem komme ich hoffentlich nochmal in Ice Cream City, um weitere leckere Sorten zu probieren. Zu guter Letzt gibt es schließlich meine Anschiedsparty im Labor am 3. August. Danach werde ich wohl Koffer packen und versuchen, meine liebsten japanischen Restaurants nochmal aufzusuchen 😉 .

Bis bald in Deutschland!


Wie groß ist Tokyo? – Teil 2

12. Juli 2008

Nachdem ich vor einigen Wochen im ersten Teil über die Größe der Stadt Tokyo geschrieben habe, wird es Zeit in diesem zweiten Teil auf Tokyo als Metropolregion genauer einzugehen.

Metropolregion Tokyo

Während Tokyo als Stadt mit ca. 8,5 Millionen Einwohnern „abgeschlagen“ auf Platz 12 der größten Städte der Welt liegt, sieht es bei der Metropolregion ganz anders aus. Hier liegt die Metropolregion, u.a. bestehend aus Tokyo, Yokohama (zweitgrößte Stadt Japans), Kawasaki und Saitama, mit 33-34 Millionen Einwohner deutlich auf Platz eins der Weltrangliste. Nun kann sich jeder selbst ausrechnen, dass bei etwa 127 Millionen Einwohnern in diesem Land mehr als ein Viertel aller Japaner auf einer Fläche von knapp 8.500 m² in der Metropolregion Tokyo wohnen!

Ich sollte hier noch erwähnen, dass es je nach Quelle leicht verschiedene Zahlen und verschiedene Definitionen einer Metropolregion gibt. Ich beschränke mich in diesem Eintrag auf den „Kern“ der Metropolregion. Wer mehr über die verschiedenen Definitionen erfahren will, kann das ganze auf hier (Englisch) nachlesen. Nun aber zum Vergleich.

(Wenn ich im Folgenden Tokyo schreibe, meine ich damit immer die Metropolregion.)

Nächst größere Metropolregionen

Auf den Plätzen zwei bis vier folgen die Metropolregionen von Mexiko-Stadt, New York und Seoul, mit Einwohnern um die 22 Millionen. Tokyo ist von der Einwohnerzahl gesehen also etwas mehr als 50% größer als die direkt nachfolgenden Regionen. Von der Fläche unterscheiden sich die erwähnten Regionen allerdings deutlich. Die Größe der Metropolregion Seoul ist zum Beispiel deutlich geringer, wodurch sich die Einwohner pro Quadratkilometer in etwa mit Tokyo gleichen. Die Tabelle auf Wikipedia gibt einen guten Überblick.

Metropolregion Rhein-Ruhr

Die größte Metropolregion in Deutschland besteht unter anderem aus den Städten Köln, Dortmund und Düsseldorf. Mit einer Fläche von ca. 7000 km² ist das Rhein-Ruhr-Gebiet nur 20% kleiner als Tokyo, mit einer Einwohnerzahl von ungefähr zehn Millionen leben hier allerdings weniger als 30% der Population von Tokyo.

Metropolregion Rhein-Main

Das Rhein-Main-Gebiet ist die drittgrößte Metropolregion in Deutschland und besteht aus den Städten Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Mainz, Worms, Darmstadt und Aschaffenburg (allerdings wieder einmal Definitionssache). Auf einer Fläche von 14.800 km² (75% größer als die Fläche der Metropolregion Tokyo!) leben „gerade einmal“ 5,5 Millionen Einwohner, was grob überschlagen weniger als 1/6 der Bevölkerung von Tokyo sind. Ich würde aber dennoch behaupten, dass es sich bei dem Rhein-Main-Gebiet um eine gesunde Größe handelt (im Gegensatz zu Tokyo). Denn meiner Meinung nach überwiegen die Nachteile einer so hohen Bevölkerungsdichte in Tokyo die Vorteile, die sich dadurch ergeben. Vor allem, wenn sich über 30 Millionen Menschen so konzentriert in einer von Erdbeben bedrohten Region befinden.

Alles in allem ist es zwar eng in Japan – es gibt sehr viele unbesiedelbare Berge -, das bedeutet jedoch meiner Meinung nach nicht, dass man sich gleich so in einer einzigen Region konzentrieren muss. Die Offiziellen in Japan sind sich der Sache scheinbar bewusst, schließlich wollen sie irgendwann die Hauptstadt aus Tokyo wegverlegen. Im gleichen Zug unterstützen sie den Wachstum von Tokyo jedoch immer noch. So bewirbt sich Tokyo derzeit um die Olympischen Spiele 2016. Wieso nur? In Tokyo ist kein Platz mehr!

Hört mich denn niemand??

HIER IST KEIN PLATZ MEHR!


Bruchteile

6. Juli 2008

Der heutige Tag hat gleich doppelte Bedeutung für mich. Zum einen bin ich genau heute vor zehn Monaten in Frankfurt in ein Flugzeug gestiegen, um mich auf den Weg nach Japan zu machen. Damals wusste ich noch nicht, was mich erwartet. Ich wusste nur, dass alles anders sein wird. Und das war es auch. Von der 20.000 Einwohnerstadt ging es in die Metropolregion Tokyo mit knapp 30 Millionen Menschen. Von Brot ging es zu Reis. Von Euro zu Yen, von Auto zu (U-)Bahn, von Stille zu Action. Von Sonntags geschlossen zu 24-Stunden geöffnet. Von SMS zu E-Mail, von 7 Uhr Sonnenaufgang zu 5 Uhr Sonnenaufgang. Von Rotwein zu Reiswein, von Weißwein zu Pflaumenwein, von deutschem Bier zu japanischem Bier. Von Sitzen im Zug zu Stehen im Zug, von Verspätungen zu pünktlichen Zügen, von Rechtsverkehr zu Linksverkehr. Von BMW, Mercedes und VW zu Toyota, Nissan und Mazda. Von GSM zu UMTS, von zweistöckigen Läden zu achtstöckigen Geschäften. Von Cola zu grünem Tee, von Sprudelwasser zu stillem Wasser, von Stofftüten zu Plastiktüten. Von Solarkraft zu Atomkraft, von solider Erde zu wackligem Boden, von Festland zu Insel. Von West nach Ost. Von Deutschland nach Japan.

All das wird sich heute in einem Monat wieder umdrehen. Denn dann besteige ich das Flugzeug Richtung Deutschland. Es gibt vieles, auf das ich mich in Deutschland freue und vieles, was ich hier vermissen werde. Auf jeden Fall freue ich mich auf die Rückkehr. Noch 31 Tage. Im Vergleich zu den ungefähr 320 Tagen, die ich dann in Japan verbracht haben werde, nur ein Bruchteil. Und am Ende wird das ganze Austauschjahr nur ein Bruchteil meines Lebens gewesen sein. Aber ein Bruchteil, den ich auf keinen Fall missen möchte.


Sommer in Japan – ein Simulationsversuch

4. Juli 2008

Es wird so langsam Sommer in Japan. Die Regenzeit scheint vorüber zu sein (auch wenn ich noch keine offizielle Bestätigung gehört habe) und die Sonne kommt wieder regelmäßiger hervor. Wie sich ein Sommer in Japan anfühlt, kann man sich allerdings nicht wirklich vorstellen, wenn man nur das Wetter im Internet nachschaut. 30° Celcius und Sonnenschein hört sich eigentlich sehr angenehm an. Daher möchte in an dieser Stelle alle Leser dazu einladen, an einem Simulationsversuch des Wetters in Japan teilzunehmen. Wenn ihr die folgende Anleitung genau befolgt, solltet ihr ein ungefähres Gefühl dafür bekommen, wie es sich hier in den nächsten zwei bis drei Monaten anfühlen wird.

Klimasimulationsanleitung:

  1. Zuerst geht man ins Bad und dreht die Heizung auf volle Stärke. Zusätzlich stellt man auch die Dusche auf volle Hitze und lässt sie laufen (ich empfehle an dieser Stelle sich nicht mehr unter die Dusche zu stellen!). Anschließend das Bad verlassen und die Türe geschlossen halten.
  2. Nun eine halbe Stunde warten. Während dieser Zeit kann man schonmal den Kühlschrank direkt neben dem Bad positionieren und leerräumen.
  3. Nach den dreißig Minuten geht man ins Bad (Türe wieder schließen nicht vergessen!) und bleibt hier, bis es unangenehm wird; nur noch fünf Minuten länger. Anschließend verlässt man das Bad und setzt sich sofort in den Kühlschrank (Türe schließen! Bei der Gelegenheit kann man auch gleich überprüfen, ob das Kühlschranklicht wirklich ausgeht). Sobald die Körpertemeratur auf 35° Grad gesunken ist, begibt man sich ohne Umwege wieder ins Bad (Gehe nicht über Los, ziehe nicht 4000 Yen ein…). Das Ganze wiederholt man nun bis der Sommer vorbei ist (sehr gut an der Rotfärbung der Blätter zu erkennen).

Erklärung:

Das Bad stellt in diesem Fall einfach den normalen Zustand da. Zum Beispiel wenn man sich im Freien aufhält oder die Klimaanlage gerade gewartet wird. Der Kühlschrank simuliert Restaurants, Geschäfte und vor allem die Züge. Begibt man sich zwischen klimatisierten Objekten hin und her, muss man (meistens) zwangsweise durch das Freie laufen (Bad->Kühlschrank->Bad->Kühlschrank). Besonders lustig ist es nebenbei bemerkt im Zug, wenn man an einer Tür steht, und sich einem beim Öffnen eine warme feuchte Wand von draußen entgegendrückt.

Expertenmodus:

Für alle Spezialisten, welche die obige Simulation ohne Probleme meistern konnten, gibt es noch ein paar Variationen:

  • Regenzeit-Modus: Bevor man die Dusche auf volle Hitze aufdreht, stellt man sie auf lauwarm bis kalt und begibt sich für die nächsten drei Wochen unter die selbige.
  • Rush Hour-Modus: Man sucht sich noch drei weitere Freunde und quetscht sich mit ihnen zusammen in den Kühlschrank
  • Business Man-Modus: Vor Simulationsbeginn zieht man sich einen schicken Anzug an. Natürlich mit Krawatte.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir letzten September die Schokolade in meinem Zimmer bei normalen Sommertemperaturen und ohne direkte Sonneneinstrahlung einfach nur durch die Luftfeuchtigkeit geschmolzen, oder das Brot vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums (meistens eh nur drei Tage) geschimmelt ist (ok, das ist in Deutschland ja normal 😉 ). Seitdem befindet sich bei mir alles Wichtige im Kühlschrank.

Disclaimer: Die oben genannte Anleitung sollte natürlich nur von erfahrenen Stuntmännern durchgeführt werden. Nicht, dass mich jemand auf Schmerzensgeld verklagt, weil er sich eine Erkältung eingefangen hat…


Mega Ultra Super Eintrag

2. Juli 2008

Mein neues Haargel.

Soll noch jemand behaupten, Japaner wären stets untertreibende, bescheidene Menschen…

(klick zum Vergrößern)