Reisebericht Nr. 2 oder: Wozu braucht man noch Astrophysiker wenn man Zen-Mönche hat?

An unserem zweiten Tag in Kyoto ging es dann zur Abwechslung erstmal in einen… Tempel. Auf dem Weg dorthin musste ich mich erst einmal versichern, dass ich in den Bus und nicht ausversehen in eine Zeitmaschine gestiegen bin. Denn zwischendurch stieg ein Mann hinzu, welcher in ein langes Gewand gehüllt war, einen Langbogen über die Schulter gehängt und einem Kärcher auf dem Rücken hatte. Aber später wurde mir dann alles klar, als in den Fernsehnachrichten sah, dass eine Horde Samurai von der westlichen Seite nach Kyoto eingefallen waren.
Wie dem auch sei, der Krieger hat vor uns den Bus verlassen und wir kamen gesund und munter am Tenryu-ji (Tempel) an. Dieser Tempel ist vor allem berühmt für seinen schönen Zen-Garten, und das – meiner Meinung nach – auch zu Recht. So konnten wir bei schönem Wetter in dem weitläufigen Garten spazieren gehen und uns entspannen. Anschließend besuchten wir noch den angrenzenden Bambuswald, welcher auch sehr beeindruckend war. Dagegen würde man das Bambus bei uns in Deutschland wohl als Bonsaibambus bezeichnen.

Danach machten wir uns auf dem Weg zum Arashiyama Monkey Park. Um dorthin zu gelangen, muss man erstmal zwanzig Minuten einen Berg besteigen. Die Absicherungen des Pfads lassen sich mit dürftig bis nicht vorhanden ganz gut beschreiben. Was vielleicht auch dazu dienen soll, um sich vor den blutrünstigen Attacken der dort ca. 150-200 freilebenden Affen in den Abgrund retten zu können. Diese statten einem auf dem Weg zur Bergspitze nämlich auch schon mal einen Besuch ab und je näher man dem Ziel kommt, desto mehr Affen tauchen auf. Am Anfang freut man sich noch über jeden einzelnen Affen, den man in der Ferne erblicken kann. Doch kurz vor dem Ziel steigt man dann nur noch genervt über Affen, welche sich mitten auf den Pfad gesetzt haben (Disclaimer: Bei den Dreharbeiten zu diesem Blog wurden keine Tiere verletzt oder geärgert). Oben angekommen hat man zum einen eine atemberaubende Aussicht auf Kyoto und kann zum anderen von einer Hütte mit vergitterten Fenstern aus die Äffchen füttern. Ich habe mich auch mal von draußen ans Fenster gehängt, aber mir wollte niemand ein paar Nüsschen geben. Ich weiß auch nicht warum.
Nach diesem affigen Erlebnis ging es den Berg hinunter und von dort aus mit dem Bus wieder ein Stück nach Kyoto hinein (Arashiyama liegt etwas außerhalb). Auf dem Plan stand nun der sehr berühmte Kinkaku-ji, oder auf Deutsch „Goldener Pavillon Tempel“. Wir hatten das Glück (bzw. es war sogar so geplant, da wir einen Tipp bekommen hatten, haha!) am Nachmittag bei dem Tempel aufzutauchen, so dass die Sonne schon sehr tief stand und der mit Blattgold überzogene Pavillon vor Freude strahlte uns zu sehen. (Memo an mich selbst: Vor dem Veröffentlichen dieses Eintrags „Blattgold“ in „Gold“ ändern, die Leser müssen ja nicht die ganze Wahrheit erfahren.)
Sonst gab es in der gesamten Tempelanlage leider nichts von größerem Interesse mehr zu sehen, aber es hat sich trotzdem gelohnt!

Zum Abschluss des Tages ließen wir uns noch im Ryoan-ji (Tempel) von 15 großen Steinen in einem Haufen kleinerer Kieselsteinchen das Universum erklären. Der berühmteste Zen-Garten Japans war für mich touristisch eher weniger attraktiv, aber es war interessant zu sehen, wie es einem gelangweilten Mönch aus dem 15. Jahrhundert gelungen ist, noch 500 Jahre später eine Vielzahl an Menschen zu begeistern. Ich glaube er kichert noch heute ab und zu leise in seinem Grab vor sich hin. Jedenfalls werde ich bei meinem nächsten Besuch im Ryoan-ji 27 weitere, große Steine mitbringen, damit das Ganze wenigstens einen Sinn ergibt.

Das war also unser zweiter Tag und auch gleichzeitig einer der schönsten in Kyoto wie ich finde.
Die Bilder sind schon seit dem letzten Eintrag in der Bildergalerie zu finden.
Bis demnächst!

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