Willkommensfeier

Gestern fand die Willkommensfeier des Informatikinstituts für mich statt. Leider war ich bis gestern 17:50 Uhr der Meinung, die Feier wäre erst heute. Als ich dann aber einen Anruf aus dem Institut erhielt, dass meine Willkommensfeier in 10 Minuten beginnt, wurde ich eines besseren belehrt. Das alles wäre ja nicht mal so schlimm gewesen, wenn die Feier nicht eigentlich um 17 Uhr starten sollte. Aber wie die Japaner so sind haben sie schließlich alle erzählt, dass die Feier auf 18 Uhr „verlegt“ wurde. Und sie haben sich dafür entschludigt, dass ich den Tag verwechselt habe. Ich glaube es wäre einfacher für mich gewesen, wenn sie einfach offen heraus gesagt hätten, dass ich eine Stunde zu spät bin.
Als ich also schließlich um 18 Uhr in das Institut kam, saßen so ca. 30 bis 40 Studenten im „Partyraum“, um einen wahrscheinlich seit 60 Minuten fertig gedeckten Tisch mit Sushi, Snacks und Getränken (vielleicht hätte ich mittags doch nicht All-You-Can-Eat Pizza essen sollen). Nach acht Reden (vier Studenten, ein Assistenzprofessor, zwei Professoren, und meiner eigenen…) haben alle fleißig getrunken, gegessen und sich mit mir unterhalten. Sogar ein Willkommensgeschenk habe ich bekommen: Einen schönen Fächer (siehe Bild).

Leider wurde schon kurz nach sieben Uhr ein gemeinsamer Spruch aufgesagt und einmal kräftig in die Hände geklatscht. Das war das Ritual um eine Feier zu beenden. Innerhalb von zehn Minuten war der Raum dann auch schon wieder aufgeräumt und die Studenten kehrten an ihre Arbeitsplätze zurück.
Ich weiß nicht, ob ich schon erwähnt habe, dass die Japaner Arbeitstiere sind. Als ich gestern um 21 Uhr ging und heute um 10 Uhr wiederkam war ein japanischer Student immer noch/wieder da. Ich fragte ihn, ob er im Labor geschlafen hätte, was er jedoch verneinte. Ob ich ihm das glauben soll, weiß ich allerdings nicht. 😉
Zweidrittel des Tages im Informatik-Institut zu verbringen ist aber scheinbar normal. Mir fällt jedoch auch auf, dass nicht die ganze Zeit gearbeitet bzw. studiert wird. Oft wird hier auch zum Freizeitvergnügen gesurft, sich unterhalten oder zusammen essen gegangen. Als ich einmal Freitagsabends ins Labor kam, haben drei oder vier Studenten zusammen World of Warcraft gespielt. Das geht natürlich nur solange der Professor nicht anwesend ist 😉 . Ich denke es ist meistens so in Japan, dass die Arbeitskollegen den Freundeskreis bilden. Dadurch hält man es natürlich auch viel länger auf der Arbeit aus. Das hat meiner Meinung nach aber alles Vor- und Nachteile. Ich weiß nicht, ob ich mir so etwas in Deutschland wünschen würde.

Alles in allem scheinen die Japaner – zumindest nach außenhin – nicht sehr nachtragend zu sein. Was sie wirklich über meine Verspätung denken, werde ich wohl nie herausfinden. Ich glaube das will ich aber auch gar nicht 😉 .

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